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31. August 2016

"Liminale Personae" von Alessandra Ress // Rezension




Alessandra Reß wurde 1989 im Westerwald geboren, wo sie auch aufgewachsen ist, ehe es sie zum Studium der Kulturwissenschaft an Rhein und Mosel gezogen hat. Wenn sie nicht gerade an ihrem Master arbeitet oder sich als Praktikantin in den Museen der Umgebung wiederfindet, schreibt sie an Artikeln für diverse Online-Magazine oder Geschichten aller Art. Nicht ihr einziges, aber doch ihr besonderes Augenmerk gilt dabei der Phantastik, deren sozialen Ausprägungen sie sich auch im Studium häufig widmet.




„Wir wollen eure Freiheit nicht!“ 
Jahrzehnte nach einer verheerenden Zombie-Epidemie. Die Zivilisation, wie wir sie kannten, ist zerstört, die wenigen Überlebenden haben sich 
in kleine Siedlungen zurückgezogen. Eine Gruppe junger Menschen stellt das vorherrschende Gesellschaftsmodell der „Stadt“ in Frage und wird verbannt. Unter ihnen auch Nihile, die vor die Wahl gestellt wird, in welcher Umgebung sie leben möchte – Wildnis, eine scheinbare Demokratie oder eine monarchistische Regierung? 
Wie individuell kann man sein, wo wird der Individualismus zu Egoismus? 
Und wie ideal darf man denken, wenn man überleben möchte? 
Ein Coming of Age-Roman mit phantastischem Hintergrund..




Liminale Personae“ ist mit 114 Seiten eine angenehme Novelle für zwischendurch. So dachte ich jedenfalls. Ich lese gerne Novellen, weil man diese eben auch mal „schnell“ an einem Abend lesen oder in ein anderes Genre zum Gedanken abschalten eintauchen kann. Diese hier ist anders. Wie? Na, ich werde mal versuchen, es euch zu sagen, ohne etwas zu verraten…  

Zu allererst: Wer auf Zombies hofft, sollte die Finger von der Geschichte lassen. Auch ich las „Zombie-Epidemie“ und war Feuer und Flamme! Ich ächzte wie ein Zombie, nagte an irgendwas, bis das Buch kam und sabberte es dann sofort voll. Schnell merkte ich jedoch, dass die Untoten nicht im Fokus stehen, fand es aber nicht schlimm, denn es geht um das, was nach der Epidemie ist. Wie lebt man nach den Zombies? Gibt es ein „nach den Zombies“ überhaupt? Und ja… das Wort „Zombies“ könnte man in dem Fall tatsächlich gegen jede andere Endzeit-Variation eintauschen. Viren. Bakterien. Laborversuche. Episches Unwetter. Vollkommen irrelevant, warum die Zivilisation zerstört wurde, wichtig ist nur, dass sie es ist!  

Und da fängt die eigentliche Geschichte an. Die Protagonistin ist Nihile (echt geiler Name!!!). Sie wohnt in einer ummauerten Stadt, geschützt vor den bösen Zombies. Sie lebt nach Regeln, die sie kaum versteht. Sie ist unzufrieden, zufrieden, will nicht auffallen, fällt auf… Nihile ist schwankend, unklar, nicht im reinen mit sich selbst. Sie möchte gerne etwas Anderes machen, als auf Kinder aufzupassen, aber die große Auswahl hatte sie nicht. Aber sie hatte eine Wahl. Ist das nun gut oder schlecht?  Das klingt jetzt vielleicht etwas wirr, aber so ist sie am Anfang. Unentschlossen, unsicher und irgendwann bricht es aus ihr heraus. Sie stellt die Stadt, die Regeln, die Regierung und ihr Leben öffentlich infrage! Die Folge: Verbannung! 

Alles, was danach passiert, möchte ich eigentlich gar nicht sagen, denn wie gesagt: es ist eine Novelle und jedes Wort könnte schon ein Wort zu viel sein. 
Aber ich kann folgendes sagen: nachdem ich „Coming of Age“ gegoogelt hab, hat die Geschichte für mich mehr Sinn gemacht. Es geht alles sehr schnell (aufgrund der Kürze) und manche Handlungen erschlossen sich für mich nicht sofort. Ich habe nach dem Lesen tatsächlich eine Weile über die Story nachdenken müssen und hab sie im meinem Kopf umhergewälzt. Noch immer ist mir nicht alles klar, aber einiges habe ich für mich selbst geschlussfolgert.  

Der Leser sollte auf jeden Fall offen für Neues sein und sich von altbekannten Klischees freimachen. Nicht immer ist alles so, wie es auf den ersten Blick scheint und manchmal reicht ein Blick, um zu wissen, was man will oder eben nicht. Nihile lernt zusammen mit dem Leser, dass nicht jeder Individualismus gut bzw schlecht ist, und dass man Individualität in einigen Bereichen auch eingrenzen muss. Hat man seinen Fleck im Leben gefunden, kann man in seinem eigenen Bereich durchaus Individuell sein. Man muss sich aber darauf einlassen können.  

Ich glaaaauuuuubedass vielleicht ein bisschen mehr Raum der Geschichte an einigen Stellen gutgetan hätte. Nicht übermäßig viel, keine Romanlänge, aber es gab einige Figuren, die sehr interessant waren, aber ratzfatz wieder verschwanden / verschwinden mussten.  
Außerdem habe ich das Gefühl, dass zwischen den Zeilen einiges seinen Anfang fand, aber nie die Chance hatte, sich auszubreiten. Es ist nur ein Gefühl, ich kann da nicht genau den Finger drauflegen, aber ja… auch bei Novellen, gerade wenn sie so tiefgreifend und moralistisch sind wie diese, ist weniger nicht immer mehr.  

(So, nachdem ich den Titel jetzt auch gegoogelt hab… interessant, was das bedeutet. In Verbindung mit der Erklärung und der Geschichte frage ich mich, ob wir nicht alle irgendwie Teil einer Gesellschaft sind, selbst wenn man sich gegen diese entscheidet.)




Liminale Personae“ regt auf jeden Fall zum Nachdenken an! Zusammen mit dem einzigartigen Schreibstil der Autorin, welcher mich die meiste Zeit durch die Geschichte getragen und den Figuren ihre ganz eigene Persönlichkeit verliehen hat, ist das Thema auf jeden Fall dauerhaft aktuell. Zombies sucht man vergebens, aber das ist auch nicht schlimm.  
Ich würde sagen, „Liminale Personae“ ist ein etwas anderer, kürzerer Jugendroman, der recht offen aufzeigt, worum es beim Erwachsen werden geht und das Entscheidungen eben getroffen werden müssen, egal ob alle diese gutheißen werden oder nicht. Eine Gesellschaft kann nur existieren, wenn man in der Lage ist, seine Individualität auch zurückzustellen um auf den richtigen Zeitpunkt dafür zu warten.





 Liminale Personae“ bekommt von mir ganz knappe 4 von 5 Marken. Es hat wirklich gedauert, bis die Geschichte in mir soweit gesunken war, dass ich sie verarbeiten konnte. Ich denke gerne mal beim Lesen nach, aber wenn ich tagelang grübeln muss, ist das auch nicht unbedingt schön. ^^




(Das Copyright von Text & Bildmaterialien liegt bei den jeweiligen Verlagen und deren Autoren, die allesamt bei uns im Impressum erwähnt worden sind.)
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