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22. Mai 2016

Mozart in the Jungle // SerienRezension






»Das war schon hier, da gab es uns noch gar nicht. Und es wird noch hier sein, lange nachdem wir fort sind.« – Das ist einer der letzten Sätze, die in der 2. Staffel fallen, die man seit dem 9. Februar bei Amazon streamen kann (Trailer Staffel 1 | Trailer Staffel 2).
Lasst es mich vorwegnehmen, ehe ich explodiere: Ich bin liebestrunken!

Entsprechend wird diese Rezension ausfallen. Es wird kein Lobgesang, obwohl das wahrscheinlich das Einzige wäre, was Rodrigo De Souza, der Dirigent des New Yorker Symphonieorchesters, hervorragend verkörpert von Gael García Bernal, verstehen würde. Nein, das hier ist mehr. Es ist eine Liebeserklärung an die Musik – und damit an die Kunst (wie Armin Mueller-Stahl so schön sagte: ›Alle Kunst will Musik werden‹). Denn nicht weniger stellt diese Serie dar: Eine Liebeserklärung an die Musik.

Sie steckt voller Eitelkeiten. Im Kern des Treibens dieser Branche, um die es in der Serie geht, im stillen Zentrum des andauernden Sturms, sitzt die Eitelkeit, will gefüttert, hofiert und unterhalten werden. Jeder einzelne Protagonist ist ihr verfallen, jeder möchte ganz nach oben auf das Podest, um sich dort festzuklammern und die Position bis aufs Blut zu verteidigen. Die Frage, wo künstlerische Schrullen in bloße Eitelkeit übergehen, ist allgegenwärtig. Außen herum schwirren Geldgeber, Anwälte, Gewerkschaftler, Journalisten, genauso im Sog der Eitelkeit gefangen wie alle anderen.


Ja, wo beginnt sie, die Eitelkeit? Ich habe mich das immer und immer wieder gefragt, während ich mich köstlich über ihre Auswüchse amüsiert habe. Da findet sich der ehemalige Dirigent, nun wäre er gerne Komponist, jäh in einer Sinnkriese wieder und unternimmt so allerlei belustigende Dinge. Dort ist der berauschte Paukist, der dealt und seine Kunden auch im Orchester sitzen hat. Hier wird einem Millionär auf simpelste Weise Honig ums Maul geschmiert, damit er für das Orchester spendet. Und in der anderen Ecke prügeln sich Dirigenten aus verschiedenen Ländern, weil sie im Wettstreit darüber liegen, aus welchem Land nun die besten Komponisten stammen …
Wohin man sieht: Eitelkeit.

Die größte Eitelkeit offenbart sich allerdings in der Musik selbst, nämlich wenn es darum geht, wer am schönsten und am besten spielen oder dirigieren kann. Alle wollen es besser können als die anderen, alle wollen höher hinaus, ihr Spiel perfektionieren – und das verbindet sie. Wenn es hart auf hart kommt, ist es nicht mehr ›das Solo der Oboistin‹, dann ist es ›Beethovens Oboen-Solo‹, dem man – demütigst – gerecht werden muss. Oder Schuberts Unvollendete. Oder ein Stück von Mahler. Oder von Debussy. Oder von Schostakowitsch. Oder – von Mozart.


Ich bin Serien-Junkie, ich verbringe so gut wie keinen Tag, ohne dass ich mindestens eine Folge von irgendeiner Serie gesehen habe. Das ist anstrengend. Es ist ein ständiger Input, ein ständiger Konsum, ständige Reizüberflutung. Meistens sind es Wellen der Mittelmäßigkeit, des Lärms und der bloßen, hohlen Bilderflut. Und dann gibt es Hoch-Zeiten, dann gibt es Meisterwerke, Highlights wie dieses, die wie Urlaub sind, wie Balsam für die Seele, wie das Auffüllen eines Hohlraums, von dem ich gar nicht wusste, dass er sich aufgetan hat.



Das Schöne an ›Mozart in the Jungle‹ ist, dass man kein Fan von orchestraler Musik sein muss, um sie sich ansehen zu können. Das Schöne an dieser Serie ist, dass man zwangsläufig ein Fan werden wird. Jedenfalls glaube ich das. Ich bin entsprechend hingerissen, dass Amazon es tatsächlich gewagt hat, den Versuch zu unternehmen, dieser angeblich so eingestaubten und doch so feinsinnigen Musik einen neumodischen Hut aufzusetzen. In meinen Augen gelingt das nicht nur, sondern die Serie selbst ist damit zu Musik geworden. Und ein größeres Lob gibt es nicht.




»Das war schon hier, da gab es uns noch gar nicht. Und es wird noch hier sein, lange nachdem wir fort sind.«
So ist das mit der Kunst. Sie war schon vor uns da, und sie wird auch nach uns noch da sein. Und damit überwindet sie die Eitelkeiten. Wenn jemand noch etwas kennt, das diesen übermenschlichen Schritt machen kann, so sagt es mir! Ich weiß von nichts.
Nur sie erlaubt es dem Menschen, Eitelkeiten demütig zu überwinden, und sei es nur für einen klitzekleinen Moment, in dem man sich in ihr verliert. Nur sie kann das, nur die Kunst.

Mein Dank geht zu meiner eigenen Überraschung an Amazon! Danke, danke, danke für diese frische, spritzige, Hohlräume auffüllende Serie!


5 von 5 Fernsehern – plus eines Extra-Fernsehers für die Kunst!

Eure liebestrunkene Joan Smith








(Das Copyright von Text & Bildmaterialien liegt bei den jeweiligen Verlagen und deren Autoren, die allesamt bei uns im Impressum erwähnt worden sind.)
2 mal erwischt
  1. Yeah, ich hab diese Serie bereits vor längerer Zeit im Original gesehen und kann deiner Rezension nur zustimmen. Mich hat diese Serie unheimlich erfrischt, nicht nur durch die etwas andere Sicht auf das Treiben eines Orchesters, sondern auch auf Grund des versteckten und doch so offensichtlichen Humors. Ich liebte die verschiedenen Charaktere, weil sie alle so normal aber auch auf ihre eigene Weise völlig verrückt waren. Ich verstehe somit deine Liebeserklärung :D

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  2. Ich mochte Staffel 1 total gerne und kann deinen Taumel nachvollziehen. Für Staffel 2 war ich irgendwie noch nicht so recht in der richtigen Stimmung bisher, habe daher noch nicht begonnen. Aber vielleicht (hoffentlich) bald, demnächst. ;)

    LG, Insi

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