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31. Oktober 2015

"Dunkle Seelen", eine Qindie-Anthologie // Rezension


https://www.facebook.com/Qindie.Autorenkorrektiv?fref=tshttp://www.amazon.de/Bloody-Qindie-pr%C3%A4sentiert-Dunkle-Halloween-Special-ebook/dp/B015VIAR5Ihttp://www.qindie.de/


Katharina Gerlach, Regina Mengel, Martina Bauer, Mika Krüger, Kathleen Stemmler, Divina Michaelis, Jana Oltersdorff, Regina Mengel, Robert Odei, matì, Hermann Markau, L.U. Ulder, Katharina Groth, Tomàsz Bordemé, Martina Bauer, Regina Mengel, Divina Michaelis


Bloody Qindie präsentiert:
Tod und tiefer Fall …
Menschen und Unmenschen …
Sinnliches und Übersinnliches … hier verschwimmen die Grenzen.
Verfolgen Sie den Niedergang der Menschheit und kämpfen Sie um jeden Atemzug. Lernen Sie neue Krankheiten kennen und finden Sie heraus, dass der Horror des Lebens mit dem Tod erst beginnt.
Bloody Qindie präsentiert deutsche Dark Fantasy Kurzgeschichten mit Gänsehautfeeling.
13 Qindie-Autoren entführen sie in verschiedenste Welten, die in einem jedoch identisch sind: Sie alle beherbergen „Dunkle Seelen“.


Eine Anthologie nur von Qindie-Autoren, wie kann man da schon widerstehen? Kann Leser da Nein sagen? Also, ich kann und konnte es nicht, deswegen ließ ich mich von den „Dunklen Seelen“ fangen und tauchte ab, in die Dark Fantasy-Welt der vertretenen Qindie-Autoren. Töteten sie mich, oder wurde ich halbverdaut wieder ausgespuckt?

Als erstes muss man sich fragen, was für einen selbst „Dunkle Seelen“ sind. Was machen dunkle Seelen aus? Nicht immer sind diese gleich als solche zu erkennen, manchmal offenbart sich das Dunkle in seltsamen Situationen. Und nicht immer sind dunkle Seelen dunkel genug…

Vorab sei noch erwähnt, dass ich nichts zum Schreib- oder Erzählstil der vertretenen Autoren sagen werde, denn ALLE Autoren hier können schreiben! Ich denke nicht, das ich das erwähnen muss, aber wenn doch: Ihr lieben Autoren, ihr könnte alle schreiben!

Insider – Katharina Gerlach
Eine Einstiegsgeschichte hat es nicht leicht. Sie muss so überzeugend sein, dass man als Leser nicht zu skeptisch an den Rest der Anthologie geht. Gleichzeitig darf sie aber nicht zu überragend sein, damit die anderen Geschichten auch überzeugen können.
„Insider“ als Einstiegsgeschichte finde ich nicht ganz so gut gewählt, denn mich konnte sie leider kaum überzeugen. Die Geschichte als solche ist gut, aber ich hatte während des Lesens immer den erhobenen Zeigefinger der Autorin vor Augen. Gruselgeschichten sind ein gutes Mittel um moralische Aspekte durchzunehmen, aber hier war es eher belehrend, denn subtil an den Leser gebracht.

Sie werden so schnell groß – Regina Mengel
Auch hier hatte ich mir etwas mehr… Kribbeln erwartet. Die Geschichte ist gut, ohne Frage, aber Grusel kam bei mir leider nicht auf. Das Ende war überraschend, keine Frage, aber eben ohne zu gruseln. Schade.

Betreten verboten! – Martina Bauer
Diese Geschichte fängt mal richtig gut an, steigert sich, baut Spannung auf … nur um in einem wirklich lausigem Ende zu verpuffen. Das Potenzial ist so groß, aber das Ende lässt die ganze, wirklich gruselige Spannung verwehen. DAS ist schade, denn auf klassische Horrorgeschichte in einem Gruselhaus ist sonst immer verlass.

Zähl bis zum Tod – Mika Krüger
Diese Geschichte hatte das Potenzial zum Favoriten! Undurchschaubar bis zum Ende, Spannungsaufbau TOP, subtiler Grusel… und dann kam das Ende. Also, ich meine… ernsthaft? Nachdem, was da alles passiert, bekomme ich als mitzitternder Leser DIESES Ende? Mehr nicht?
Das. War. Hart.

Bluttraum – Kathleen Stemmler
Das war… eigenartig. Aber gut! Wirklich gut! Es geht bei Besessenheit ja meisten darum, wie andere die Situation erleben. Ich habe noch nie die Sicht des Besessenen gesehen und es hat mir wirklich gefallen. Es war nicht gruselig oder horrorig (auf dieses Wort hab ich Patent angemeldet! :-D ), aber es war anders. Überraschend!

»Für immer mein!« – Divina Michaelis
Auch diese Geschichte war gut. Interessant, aber meiner Meinung nach, hat sie ihr Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft. Ich denke, da ginge noch mehr, denn aufgrund der kurzen Länge geht einiges viel zu schnell. Die Spannung hat gar keine Chance, sich aufzubauen. Schade.

Nachts im Waschkeller – Jana Oltersdorff
Hier lagen die Erwartungen meinerseits sehr hoch. Leider. Ich hätte tiefer Stapeln müssen. Von Jana kenne ich so ziemlich alle Geschichten, und weiß daher, was sie kann! Und sie kann es, wirklich! Aber nicht hier. Ich hab gelesen und gelesen und auf den Knall gewartet, auf die Überraschung. Umsonst.
Auch hier hatte ich wieder das Gefühl, dass zwischen den Worten sehr viel ungenutztes Potenzial liegt. Wo war der subtile Grusel, wo war die Schnappatmung? Wo war der bissige Humor? Wo warst du, Jana?

Ins Ich – Regina Mengel
Ich weiß nicht genau, was ich hier gelesen habe, aber anders als die bisherigen Werke von Regina Mengel war es allemal. Mit Sicherheit liegt auch hier eine dunkle Seele vor, und ich interpretiere ganz viel in den kurzen Text, aber so wirklich gepackt hat er mich dann nicht. Dafür war er mir persönlich zu kurz.

Der Neophyt – Robert Odei
In die Geschichte von Robert Odei hatte ich auch große Erwartungen, denn mir ist der Autor wohlbekannt und ich weiß seinen ganz eigenen Horror in Verbindung mit herausragender Intelligenz in Bezug auf den Inhalt der Geschichte zu schätzen.
Die Geschichte als solche ist auch typisch Halloween, wenn man das so sagen kann. Sie war genauso gut, wie alle Geschichten bisher und das Ende hat mich tatsächlich überrascht! Und dennoch… ich hatte das Gefühl, dass der Autor sich selbst und seine eigene Art, Horrorgeschichten umzusetzen, zurück hält. An jeder Ecke innerhalb der Story dachte ich: „Jetzt! Jetzt kommt der typische Odei!“ Und dann kam… nichts. Also natürlich war da die Geschichte und die war wirklich gut aber mir fehlte (wieder einmal) das Kribbeln. Kein erschrockenes Aufkeuchen, kein halber Herzanfall. Wieder: Schade!

Die Wartehalle – Matì
Diese Geschichte gehört zu meinen Favoriten! Gut gewählte Worte, eine beklemmende Atmosphäre, ein Protagonist der nicht weiß, was los ist. Und mir ging es genauso. Ich hatte Angst, ich wusste nicht, was ich machen sollte und fühlte mich verloren in der Wartehalle. Hier hat es eindeutig gekribbelt! Sehr fantastisch!

Das weiße Kleid – Hermann Markau
Auch wieder ein Favorit! Diese Geschichte lebt vom Karma und davon, dass es manchmal schneller zuschlägt, als man denken könnte. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, denn ich fand sie wirklich klasse! Sehr gut gemacht. Spannung top!

Die Dunkelheit der Seele – L.U. Ulder
Warum muss das Ende so sein, wie es ist? Warum, warum, warum? Die Geschichte fängt echt geil an, baut so dermaßen Spannung auf, dass ich zwischendurch vergaß zu atmen. Ich fieberte mit, spürte die dunkle Seele wachsen und dann kam es. Das Ende! Es passte ja, schön und gut, aber warum muss es immer so Enden?

Blutseuche – Katharina Groth
Diese Geschichte bewerte ich nicht, da ich Betaleserin war und schon vorab meckern durfte. ^^

WUT – Tomàsz Bordemé
Vielleicht sollte ich keine Zombiegeschichten mehr lesen, denn die haben von vornherein schon Pluspunkte, ganz einfach, weil Zombies drin vorkommen.
Geile Geschichte, geiles Ende. Kann ich nicht mehr sagen. Gerne mehr davon!

Apocalypse of the Dead – Martina Bauer
UND WENN DANN ROMERO KOMMT, BIN ICH VERLOREN! Ich liebe ihn und seine Zombies!
Und die Geschichte ist als Hommage klasse und besitzt eine super dunkle Seele! Und trotzt des Endes, bleiben genug Interpretationsmöglichkeiten, um das Ganze weiter zu denken.
Eiskalt, berechnend, horrorig und echt dramatisch!

Sauerstoffreservierungsgebühr – Regina Mengel
Das ist ein wirklich grausiger Ausblick in eine mögliche Zukunft und ich hoffe ganz stark, dass es nie so weit kommen wird! Allerdings hat mich auch hier nicht das Kribbeln beeindruckt, sondern eher, wie der Bogen vom Anfang zum Ende geschlagen wurde und sich so der Kreis schloss. Es war ein Überraschtes „Oh!“ und ein beeindrucktes „Wow!“, das ich am Ende entließ.

Die Hütte im Moor – Divina Michaelis
Diese Geschichte ist mein persönliches Highlight. Einfach, aber auf ihre eigene Art gruselig. Sie lässt genug Spielraum für eigene Gedanken und Interpretationen gerade was das Ende angeht. Hervorragend! Die Spannung steigert sich, ließ mich rätseln, was wohl vor sich geht und interpretiert das Thema „Dunkle Seelen“ ganz neu. Auch einsame Seelen können dunkel sein! Grandios!

Liebe Autoren dieser Anthologie, eine kleine Anmerkung meinerseits: Ihr seid zu gut. Zu gut zu euren Figuren. Quält sie! Lasst sie leiden! Steigert die Angst durch subtilen Horror. Und das wichtigste: Scheißt auf „gute Enden“. Wagt euch etwas! Lasst eure eigene dunkle Seele sprechen! Niemand wird euch dafür verurteilen! Aber zu viele positive Enden auf einmal sind einfach nur anstrengend.


Mein Fazit… nun ich weiß nicht was ich sagen soll.
Oder vielleicht doch. Doch, eigentlich weiß ich ziemlich genau, was ich sagen soll und will.
Wie am Anfang schon erwähnt, sind dunkle Seelen nicht immer gleich zu erkennen. Auch hier, in dieser Sammlung von Geschichten offenbaren sich die Dunklen nicht immer sofort. Außerdem hatte ich während des Lesens oftmals den Eindruck, dass einige der hier vertretenen Autoren, von denen ich weiß, dass sie wirklich Horror schreiben können, sich stark zurück hielten. Sie gaben nicht das, was sie hätten geben können und hielten ihre eigene, dunkle Seele zurück.
Im Ganzen gesehen steckt in jeder einzelnen Geschichte sehr viel verschenktes Potenzial, denn sie waren alle gut, aber ihre dunkle Seele war nicht dunkel genug.



Schweren Herzens und mir meiner eigenen dunklen Seele nur allzu bewusst vergebe ich hier knappe 3 von 5 Marken







(Das Copyright von Text & Bildmaterialien liegt bei den jeweiligen Verlagen und deren Autoren, die allesamt bei uns im Impressum erwähnt worden sind.)
5 mal erwischt
  1. Wow -- ich staune immer wieder, wie verschieden Geschmäcker doch sind. Die Geschichten, die du als Favoriten angemerkt hast, stehen bei mir viel weiter unten auf der Liste und andere, die dir nicht so gefallen haben, trafen bei mir voll ins Schwarze.
    Na ja, ich bin ja auch nicht wirklich eine Horror-Leserin (oder -Schreiberin). Mein Genre ist eher die ganz normale Fantasy. Da bin ich vielleicht nicht "gut genug" vorbelastet, ;-) und ich kann auch nicht wirklich vergleichen, wie Horrorgeschichten sein müssen.
    Mir hat die Antho jedenfalls insgesamt gefallen (Meine eigene Geschichte nehme ich mal aus, weil ich für die betriebsblind bin. das geht mir mit eigenen Geschichten immer so. Ich werde deine Kritik aber für die nächste Geschichte berücksichtigen. Erhobener Zeigefinger geht ja gar nicht...).

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    1. Hallo Katharina!

      Ich wusste ja, was du bisher so geschrieben hast und war deswegen noch gespannter auf deine Geschichte. Ich finde, als Autor kann man sich ruhig mal in allen Genres probieren, aber gerade für Horror nützt es sicherlich, wenn man Horrorgeschichten hier und da mal gelesen hat.
      Aber die Geschmecker sind bekanntlich verschieden, ich bin mir sicher, dass es noch ganz viele Leser geben wird, denen die Anthologie megasuper gefallen wird!!!

      LG
      Tilly

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  2. Wow, was für eine detaillierte Rezension! Vielen Dank für die Mühe. Gerade deshalb ist es sehr schade, dass dich das Ende meiner Geschichte enttäuscht zurückgelassen hat. Nichts ist schlimmer als Spannung, die im Nichts verpufft. Mal sehen, ob ich dich beim nächsten Mal vollständig überzeugen kann. :)
    + Mika +

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    1. Es tut mir wirklich leid, ich hab so mitgefiebert und die Geschichte hatte mich sofort in ihren Bann gezogen und das Ende dann. Uff. Das hat mich wieder rausgeschmissen.
      War das Ende so geplant, oder ist das zufällig entstanden?

      LG
      Tilly

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  3. Das ist wirklich eine überaus gründliche und ausführliche Rezension, dankeschön! Und jede Geschichte wurde einzeln angesprochen, was mir richtig gut gefällt. Nicht dunkel genug - okay, mal sehen, ob wir das nächstes Jahr dunkler hinbekommen. Ich bin zuversichtlich.
    Ein Happy End in einer Horrorgeschichte ist immer ein bisschen knifflig, da gebe ich Dir recht, Tilly. Und dass Dir meine Zombie-Geschichte so gut gefallen hat, freut mich ganz besonders! LG, Martina

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