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2. September 2015

"Aus sich hinaus" von Florian Tietgen // Rezension

https://www.facebook.com/florian.tietgen?fref=tshttp://www.floriantietgen.de/http://www.qindie.de/autorinnen/q-u/t/florian-tietgen/http://www.amazon.de/Aus-sich-hinaus-Florian-Tietgen-ebook/dp/B00I4F4RSE


Geboren wurde ich im November 1959 zehn Minuten nach meinem Zwillingsbruder. 1977 erlangte ich die mittlere Reife, an die ich eine Ausbildung zum Erzieher anschloss. Schon im zarten Alter von 13 auf den Brettern, die die Welt bedeuten, durfte ich früh Erfahrungen als Schauspieler, Inspizient, Regieassistent und Autor machen. Das alles trainiert die Empathie, geht es doch im Schauspiel auch darum, sich in Charaktere, in Mensch und Stücke hineinzufühlen und diese Gefühle für andere greifbar und plausibel zu machen.



Fünf Erzählungen, deren Erzähler eines gemeinsam haben. Ihr Coming out. Doch über dieses Bekenntnis zur Homosexualität hinaus haben sie sich weiteren Aufgaben zu stellen. Während Kolja wegen einer Wette nicht allein ins Hotelzimmer kommen darf, muss Felix sich mit der Lust daran, sich an anschauen zu lassen, anfreunden. Mika, muss sich der Frage nach seinem Vater stellen, Daniel muss die lautstarke Stille überwinden und Simon gleich um zwei Freunde kämpfen, um aus sich hinaus ins Leben gehen zu können und glücklich zu werden. Finden sie ihr Glück und ihre Liebe? 



Florian Tietgen schreibt gute Bücher, fernab von Mainsteam oder Problemen, die von hundert andern schon durchgekaut wurden. Und genau deswegen greife ich immer wieder gern zu seinen Geschichten. „Aus sich hinaus…“ ist eine Sammlung von fünf Erzählungen, die alle sehr an der Realität kratzen. An der Realität, wie sie sich manche Menschen gern zusammenbiegen.

Ich werde diesmal nicht alle fünf Geschichten einzeln bewerten. Zwar handeln sie immer von anderen Protagonisten, aber ihre Kernaussage ist immer die selbe. Es geht um Menschen, die aus sich hinausgehen. Die sich outen, die ihr Innerstes nach außen kehren und ihre Seele freilegen. Dafür gibt es viele Möglichkeiten, viele Reaktionen von den Menschen in der Umgebung und im direkten Umfeld. Ich weiß nicht, ob ich hier reine Geschichten lese, die Florian erfunden hat oder wie viel von ihm selbst in den Worten steckt. Wenn das alles erfunden ist, dann ist er wohl einer der empathischsten Autoren, die ich bis jetzt kennenlernen durfte und darüber bin ich wirklich froh. So nah am Menschen war ich in noch keiner Geschichte und das hier sind „nur“ kurze Erzählungen. Ich litt bei jedem Wort, ich freute mich bei jeder Geste und ließ meine ganzen Emotionen hinaus, wenn es angebracht war.

Florians Figuren sind alle nicht einfach. Jugendliche, die sich selbst nicht kennen. Die mit Gefühlen kämpfen müssen, die sie bis dato noch nicht mal vom Hören kannten. Junge Menschen, die sich Situationen gegenüber sehen, die manche Erwachsene nicht bewältigen würden. Es ist immer ein Kampf um Akzeptanz, um Verständnis. Es geht darum, dass man einfach man selbst sein möchte und dass alle anderen einen genauso nehmen, wie man ist. Ob dick oder dünn. Groß oder klein. Ob man auf Männer oder auf Frauen steht. Es geht schlicht und ergreifend darum, Mensch zu sein dürfen. Der Mensch, der man selber gern sein möchte.

Die Figuren erleben immer schlimme bis wirklich richtig schlimme Dinge. Sei es Inakzeptanz innerhalb der Familie über Mobbing und Schläge in der Schule bis hin zu Handgreiflichkeiten von Fremden. Die Menschen in Florians Geschichten müssen sehr viel durchleiden, ehe sie sich selbst akzeptieren und sich somit anderen öffnen können. Aber wenn sie es dann endlich rauslassen, dann sind sie sich sicher, dass es immer der richtige Mensch ist, der ihnen zuhört, der sie auffängt und sie stützt. Der ihnen Hilfe gibt, ohne dass sie darum bitten müssen. Der eine Mauer bildet, wenn sie sich ausruhen müssen. Und der sie unterstützt und einfach hinter ihnen steht, wenn sie sich gegen den Rest der Menschheit stellen, auch wenn dieser Rest manchmal die eigene Familie ist.

Florians Geschichten leben von Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Melancholie und dem kleinen, aber feinen Faden der Hoffnung, der sich von Anfang an um die Protagonisten spannt, um am Ende ein Seil zu bilden, dass von der richtigen Person ergriffen wird. Das Thema „schwul sein“ steht im Vordergrund. Das Outing, was damit einhergeht. Die Reaktionen, die hervorgerufen werden und die Überraschungen, mit denen die Protagonisten (und auch ich) meistens nicht gerechnet haben. Es ist nicht alles schwarz und weiß und niemand sollte ausschließlich so denken. Akzeptanz fängt immer bei einem selbst an und nur, wenn ich andere akzeptiere und ihnen ihren eigenen Raum zum Entfalten gebe, kann auch ich akzeptiert werden und werde dadurch vielleicht zu einem besseren Menschen. Es sind auch kleine Gesten, die dazu beitragen, dass andere sich besser fühlen. Nicht wegsehen, nicht ablehnend sein. So wie ich von anderen behandelt werden möchte, so muss ich auch andere behandeln. Darum geht’s. Um nicht mehr und nicht weniger. Einfach ums Mensch sein. Denn egal, ob man Männer liebt, Frauen liebt, dick oder dünn ist,eine schiefe Nase hat oder große Ohren: man ist in erster Linie ein Mensch mit Gefühlen. Und allumfassende Ablehnung erträgt jeder Mensch nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Florian Tietgen zeigt, wie diese Ablehnung aussehen kann. Was Hilfe bewirken kann. Zu was Menschen werden, wenn sie denken (bzw. eben nicht denken), sie sind auf der richtigen Seite. Es ist einfacher, mit der Menge zu schwimmen, als für andere einzustehen. Sich hinzustellen und einfach mal „Nein!“ zu sagen. Florian zeigt, dass es eben nicht einfacher ist. Weder für den einen, noch für den anderen. Und er zeigt, dass es immer Menschen geben wird, die eben doch aufstehen und „Nein“ sagen. Die einen an der Hand nehmen und ohne Worte deutlich machen: „Ich bin für dich da. Komm aus dir hinaus!“

Auch wenn das alles sehr tiefgreifend ist und mich alle Geschichten sehr stark berührt haben (es ist vielleicht die eine oder andere Träne geflossen), so muss ich doch noch ganz kurz meckern. Ich weiß nicht, was für ein Bild Florian von den 15jährigen Jugendlichen heutzutage hat, aber ich denke, dass nicht viele so verständnisvoll und erwachsen sind, wie er sie darstellt. Nicht alle können so aus sich hinaus, nicht alle sagen, was sie denken und nicht alle machen genau das richtige. Für einige Entscheidungen und Situationen braucht es (viel) Erfahrung und außerdem Mut, für das gesagte auch einzustehen.
Ich will nicht bestreiten, dass es solche Jugendliche gibt, wahrscheinlich sogar mehr als ich denke^^, aber in geballter Ladung innerhalb der Geschichten fehlte mir etwas „jugendliche“ Normalität. Sie wirkten auf mich manchmal zu erwachsen, zu reif, zu verantwortungsbewusst, zu sicher in der eigenen Haut (nicht die Protagonisten).



„Aus sich hinaus…“ gehört zu den Büchern, die man nicht einfach liest und dann weglegt. Es bleibt in Erinnerung, man denkt darüber nach und beschäftigt sich mit der Thematik. Ich musste darüber reden, denn sonst wäre ich wohl an der Traurigkeit erstickt. Es ist keine leichte Kost, aber es sind Geschichten, die einfach gelesen werden müssen, weil sie so nah an der Realität sind, dass alles andere farblos wirkt.
„Aus sich hinaus…“ erzählt Geschichten über Menschen, die ihre Leben so leben wollen, wie sie es möchten. Es geht um Menschen.
Es geht um uns. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger!



 „Aus sich hinaus…“ hat mich tief beeindruckt. Aber auch wenn mich das Verhalten der Figuren manchmal irritierte, so vergebe ich hier doch sehr gerne 5 von 5 Marken.
Und einen unserer seltenen Sterne, für empathische, emotionale und ergreifende Geschichten, die das Leben nicht „besser“ hätte schreiben können.





Liebe Grüße





(Das Copyright von Text & Bildmaterialien liegt bei den jeweiligen Verlagen und deren Autoren, die allesamt bei uns im Impressum erwähnt worden sind.)
2 mal erwischt
  1. Was für eine wundervolle Besprechung! Und viel treffender könnte man es auch kaum formulieren. Ich liebe Florian Tietgens Geschichten, weil sie genau so sind wie hier geschildert. Fünf Sterne für die Rezension ;)

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  2. Ich schließe mich an. Florians Bücher sind klasse, aber traurig.

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