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19. Mai 2015

“Infinite Pain 1 - Hannahs Narben” von Kerstin Ruhkieck // Rezension




Kerstin Ruhkieck, Jahrgang 1979, schreibt Geschichten, seit sie einen Stift halten kann. Sie schreibt Psychothriller für Erwachsene und Jugendbücher, beides Genre, die sie selbst gerne liest. Nachdem das Leben einige Stolpersteine für sie bereitgehalten hatte, holte die Autorin ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach und studierte einige Zeit Deutsche Sprache und Literatur in Hamburg. Kerstin Ruhkieck ist verheiratet und hat zwei Söhne.


Sie nennen sich »Befreier des Schmerzes«. Sie foltern, vergewaltigen und morden. Die Polizei ist erfolglos, und jeden Tag verschwinden weitere Menschen … Leena dachte, die Ereignisse um die mysteriösen Entführungen würden sie nicht betreffen. Vom Leben gezeichnet, hat sie genug eigene Probleme. Doch als sie ihren Bruder Patrick entführen, geht es sie plötzlich etwas an. Mit allen Mitteln will sie Patrick befreien – auch wenn sie dabei stirbt. Denn ohne ihn ist sie ohnehin schon längst tot. Sie und Scar, ein ehemaliger Insider der »Befreier des Schmerzes«, schleusen sich in das unterirdische Versteck der Sadisten ein. Scar ist von nun an einer von ihnen, während Leena sein »Schmerzträger« ist. Doch nichts wird echt sein, sie werden nur so tun, als würden sie dazu gehören. Zumindest ist das der Plan. Bis sie auf die harte Tour lernen: Vortäuschen ist ausgeschlossen. Eine Spirale aus Folter, Blut und Macht ergreift sie und zerrt sie in den Abgrund, und sehr schnell wird deutlich: Es gibt Dinge, die sind schlimmer als der Tod. Viel schlimmer … Nicht geeignet für sensible Gemüter!



Bevor alle verwirrt sind:
Jastina = Jack und Kristina vom Tintenmeer (https://tintenmeer.wordpress.com/)!


Verblüffenderweise teilen wir, Kristina und Jack, nämlich öfter mal dieselben Gedanken zu Büchern und vor allem zu Kerstins und haben „Hannahs Narben“ zusammen gelesen, wieso also nicht fusionieren und gemeinsam rezensieren? *zusammen macht es mehr Spaß*


Wir VEREHREN Kerstin Ruhkiecks kranke und makabren Kopf Ideen! Und wir denken nicht mal dran, uns vor ihren Büchern in Sicherheit zu bringen! *masochistisch veranlagt und stolz drauf* xD Auch wenn sie, wie hier, wieder Themen anschneidet, die so eklig, grausam und schwer verdaulich sind, dass wir das Gelesene am liebsten ganz fix wieder vergessen wollen: Wir…müssen….es…dennoch…verschlingen!!!

Ihr merkt: Die Täter/Opfer-Grenze ist bereits völlig aufgeweicht, was zufälligerweise auch in ihren Büchern so ist und wir so LIEBEN. ^^


Worum es genau geht, könnt ihr direkt oben im Klappentext herauslesen. Das Buch liest sich verdammt (!!!) schnell, weshalb wir zum Inhalt nicht noch mehr verraten möchten…daher „nur“ unsere ungefilterten Gedanken. Schnallt euch an! ^^

Unser erstes Fazit nach Beenden des Buches:
LEIDER waren wir dieses Mal enttäuscht von Kerstins Geschichte. Wäre es unser erstes Buch von ihr gewesen, wir wären wahrscheinlich niemals hinter ihr EIGENTLICH geniales Können gekommen. Da sprach in dieser Story einfach zu viel dagegen. Und auch wenn wir es nicht mit ihren anderen Geschichten vergleichen SOLLTEN, ist es nun mal Fakt, dass Kerstin es KANN, aber hier nicht wirklich beweisen konnte… :( Und gerade WEIL wir große Fans sind, setzen wir einen automatisch höheren Maßstab an, als bei anderen Autoren. *_*


Wir wussten nach dem Lesen der letzten Seite immer noch nicht, was wir von der Geschichte halten sollten. Unser Gefühl am Ende: „Hmmm. Na gut. Und was jetzt?“ Gerade, weil wir die ganze Zeit wie zwei Verhungernde auf DEN ultimativen Twist gewartet haben…(Kerstin hat uns da wohl schon zu sehr mit verwöhnt, weshalb wir hier so unzufrieden waren :/).

Das liegt zum einen an der Story und zum anderen an den Charakteren. Die Story an sich ist zwar schonungslos und brutal (wie von Kerstin gewohnt), aber leider nicht tiefgründig und überzeugend genug. Wir hatten das Gefühl, dass in wichtigen Szenen weggeblendet wurde, bevor es spannend werden konnte bzw. die Ergebnisse ganz dreist ausgelassen und dann nur rückblickend zusammengefasst wurden. Als hätte sie es sich ein bisschen zu einfach gemacht…

 Das ist uns vor allem am Ende aufgefallen, das leider nur kurz angerissen und dann nacherzählt wurde (so auch in einigen anderen Szenen z. B. am Anfang *und da waren sie einfach drin im supergeheimen Versteck…..ähhhm?!?!*). Leider nicht sehr spannend… Das Zauberwort heißt: Nicht erzählen, sondern ZEIGEN! Deshalb haben wir uns manchmal wie die Kühe vor´m Walde stehen gelassen gefühlt und hungerten noch schlimmer als die „Schmerzträger“ im Buch…


Kennt ihr diese Momente, wo ihr einfach froh seid, dass ihr das Buch zuklappen könnt und euch diese Dinge nicht selbst passieren?! DAS fehlte uns! Diese Angst, dieses ungute Gefühl im Magen…diese eigene „Gefangenheit“, weil man es dann eben doch nicht zuklappt und wissen muss, was jetzt mit den Protagonisten passiert, auch wenn man nur mit einem Auge hinsehen kann! WO WAR DAS?! Deshalb würden wir euch, falls ihr dem Genre Thriller zugetan seid, zuerst „Scherben“ von der Autorin ans Herz legen, das in uns GENAU DIESES Gefühl ausgelöst hat. *_*


Außerdem haben uns die atemberaubenden, ruhkieckschen Wendungen gefehlt! WO WAREN SIE? Wir haben da noch auf ein großes Geheimnis gewartet, was Scar, Leena, ihren Bruder und die Sekte betraf, aber da kam nichts. Oder haben wir was überlesen??? Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass viele wichtige Teile fehlen. Vielleicht kommt dazu ja noch etwas in Band 2 und 3?


Die Story war für unser Empfinden auch viel zu geradlinig und einfach gestrickt. Wir hatten uns einfach mehr DRAMA gewünscht. Mehr Zwischenmenschliches, mehr Gefühle, mehr Kampf, mehr Schmerz, mehr Verluste, mehr mehr meeeeeeeeehr von allem! O_O *danach lechz*


Und die Charaktere…

Scar fanden wir toll. Wir stehen, ehrlich gesagt, ein bisschen auf ihn, weil er diese „Bad Boy-Aura“ hat. *hach* Und wir konnten seine geheimnisvolle Art ganz gut verstehen. Aber…. *Ärmel hochkrempel* Leena blieb leider sehr blass und war so endlos naiv! Einmal ist sie grenzenlos vertrauensselig und blauäugig, dann gefühllos, dann hat sie auf einmal wieder Angst vor Schmerzen (MÄDCHEN am Anfang wusstest du genau, worauf du dich einlässt und wolltest um jeden Preis in diese Sekte rein… dann kriegst du sofort Panik, als du drinnen bist?! Was dachtest du denn, was die mit dir machen? Eine Pyjamaparty mit Kuscheln und ein bissel Nackenknabbern?!)

Wie schnell sie Scar am Anfang vertraut und sich auf alles einlässt, passte auch nicht ins Bild. Ihre Gedanken hüpften mal hierhin und dorthin und sie wusste oft gar nicht, was sie wollte. Sie sagt/denkt etwas und im nächsten Satz relativiert sie es wieder und widerspricht sich. WTF? Wir haben WORTWÖRTLICH Schwindel von ihren Stimmungswechseln bekommen… Vielleicht sind wir ja einfach (wieder) zu verwöhnt von der genialen Vanessa Justine Seebusch aus Scherben…


Der Schreibstil kam uns hier auch nicht ganz ausgereift vor. Wir haben einige Fehler und Wortwiederholungen gefunden und teilweise dachten wir, dass wir manche Stellen doppelt gelesen haben, weil sich so viele Handlungen und Gedanken der beiden Protas wiederholten. Scar sagt andauernd, er WILL es ja nicht tun, MUSS aber, weil Leena es von ihm verlangt, deshalb tut er es, aber er WILL es ja eigentlich gar nicht usw. ... *seufz* Da hätten wir uns ein paar neue Aspekte gewünscht oder mal ein klärendes Gespräch zwischen den beiden oder mehr GEFÜHLE. Oder mehr HINTERGRUND?! Anstatt das Leena immer mal hier und da was in Scars Blick erkannte, das ihr Angst machte, hätten wir auch gerne mal etwas davon GESEHEN…


ACHTUNG LEICHTER SPOILER!
Der geheime Plan der Protas am Ende war nicht vorhersehbar (sehr gut!), aber er klappte einfach zu reibungslos und alle Beteiligten kamen zu unbeschadet davon. Und die Sadisten? Wo blieben die eigentlich? Es wurden nur zwei von ihnen näher beleuchtet und die haben auch eher wie Statisten rumgestanden und mehr Drohungen ausgesprochen, als diese in die Tat umzusetzen (mal abgesehen von einer gewissen Szene).

Wir glauben, eines der größten Probleme hier ist, dass dieses Thema SO GROß ist und SO KLEIN dargestellt wurde… Oder dass wir wissen, dass Kerstin es besser kann… Tendieren wir mal zu Beidem. ^^


Trotzdem hat es auch seine guten Seiten. ^^ Wir meckern hier wirklich eine MENGE, weil wir eingefleischte Fans sind und uns sowas auffällt… Aber diese Idee war wirklich NEULAND für uns und wir sind wiederholt von Kerstins Ideenreichtum begeistert. Es las sich, wenn man mal die Meckerei von oben beiseiteschiebt, flüssig und relativ spannend, deshalb waren wir auch innerhalb kürzester Zeit durch.

Und wir werden auch weiterlesen, da wir sicher sind, dass Kerstin sich steigern wird, weil sie sich weiterentwickelt hat und Band 1 vielleicht nur ein paar Kinderkrankheiten von früher mit sich herumschleppt, welche in den Folgebänden auskuriert werden… Es bricht uns nur einfach das Herz bei so viel brach liegendem Potential… *schnief*


Ach du heiliger Glitzer, haben wir unserem Unmut Luft gelassen… O_O DAS TUT UNS IM HERZEN WEH und ist auch nicht böse gemeint! Aber so ist es nun mal. Das Buch wirkt jetzt sicherlich, als müsstet ihr die Finger davon lassen, aber ihr solltet ihm eine Chance geben und mit uns hoffen, dass die beiden Folgebände all diese Fehler nicht mehr besitzen!



Für interessante Ideen, ein mutiges Thema und eine kurzweilige Handlung mit leider blassen, wankelmütigen Protas, fehlenden Schockeffekten, Gefühlen, Überraschungen und Hintergründen gibt es knappe 3 von 5 Marken mit VIEL Hoffnung auf Besserung…










Zusatz:
Ein herzliches Dank für das Korrigieren dieser Indie - Rezension an:
Kathleen Stemmler






(Das Copyright von Text & Bildmaterialien liegt bei den jeweiligen Verlagen und deren Autoren, die allesamt bei uns im Impressum erwähnt worden sind.)
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