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8. März 2015

"Peaky Blinders" // SerienRezension









Auf dem hohen Rücken eines pechschwarzen Rennpferdes reitet Thomas Shelby (Cillian Murphy) in die erste Episode der ersten Staffel ein. Er ist umgeben von den Slums Birminghams, von rußgeschwärzten Gebäuden, dem Kanalsystem, qualmenden Fabriken, Menschen in Lumpen.
Das Rennpferd lässt er von einer eingeschüchterten chinesischen Hellseherin vor aller Augen verhexen, damit es beim nächsten Rennen gewinnt. Bevor er weiterreitet, sagt er zu den sich versteckenden, neugierigen Zuhörern: »Ihr könnt gern auf das Pferd wetten, aber sagt es nicht weiter«, und nennt Name des Pferdes und des kommenden Rennens.
Einige nicken ihm zu, andere nehmen hastig Reißaus. Einem Bettler wirft er eine Münze in die Tasse. Begleitet wird sein Ritt von der Musik Nick Caves: ›He’s a ghost, he’s a god, he’s a man, he’s a guru‹, singt er, während hinter Shelby Flammenstöße aus dem Brennofen einer Fabrik schießen.
Schnitt.

 
Here he comes, wie Nick Cave es formuliert hat, oder an dieser Stelle richtiger: Hier ist er, Mister Thomas Shelby,  zweitältester von fünf Geschwistern, halber Zigeuner, mehrfach aufgrund seines Mutes in der Schlacht an der Somme ausgezeichnet, Oberhaupt der Peaky Blinders, mit Rasierklingen im Schirm seiner Mütze (daher der Name der Gang), geplagt von Albträumen aus der Zeit seines Soldatendienstes.


Aus der oben beschriebenen ersten Szene erfährt man, mit wem man es in der Serie zu tun bekommt: Mit einem knallharten Gangster, der von seiner hohen Position aus die Begebenheiten Birminghams überblickt; mit einem scharfsinnigen Geschäftsmann, der nichts unversucht lässt, um die familiären Unternehmungen zum Erfolg zu führen; mit einem Mann, der durchaus zu Wohltätigkeit fähig ist (wenn womöglich auch aus bloßer Berechnung?).
Und man kann nach diesen vier Minuten schon ahnen, was die Serie auszeichnet, abgesehen von Cillian Murphys Pokerface: die Musik, die Kulisse Englands im beginnenden 20. Jahrhundert sowie die Filmschnittkunst.


Die ersten Episoden der ersten Staffel verlangen zunächst ein wenig Geduld. Man muss sich an die Slow-Motion-Bilder in Actionszenen in Kombination mit der Musik gewöhnen.
Wenn die Peaky Blinders ihre mit Rasierklingen präparierten Mützen abnehmen und damit auf ihre Feinde losgehen, die Bilderabfolge indessen langsamer wird und die Musik im Vergleich zu vorher eher gedeckt – nun ja, wir sind das Gegenteil gewöhnt, und ein entsprechend merkwürdiges Gefühl bekommt man als Zuschauer. Irgendwann allerdings erkennt man (wenn man sich darauf einlassen kann), wie überragend das im Gesamtpaket ist, eben weil es so staunenswert einprägsam ist. (Hier findet ihr ein Beispiel, ca. ab Minute 2:40.)




Nick Cave, Tom Waits, The White Stripes, Arctic Monkeys – das sagt meines Erachtens schon alles. Cooler könnte es nicht sein!
Das Titellied ›Red Right Hand‹ stammt aus der Feder von Nick Cave & The Bad Seeds und bringt alles mit, was diese Serie ausmacht. Die Arctic Monkeys haben ebenfalls eine Version des Songs eingespielt (worüber ich in Freudenschreie ausgebrochen bin), natürlich in ihrem eigenen britischen Indie-Rock-Stil.
Stets, wenn die Serie selbst an Spannung und Glaubwürdigkeit verliert (was in der ersten Staffel leider hin und wieder geschieht, gleich mehr dazu), wird sie von der Musik gerettet. ›Es ist, wie wenn man mit der richtigen Musik auf den Ohren durch die Stadt läuft: Plötzlich ist alles cool‹, schreibt die FAZ, und dem kann ich nur zustimmen. Schon nach wenigen Folgen konnte ich nicht anders, ich musste mir den Soundtrack herunterladen.




Cillian Murphy als Thomas Shelby – genial! Zum ersten Mal sah ich Murphy als Scarecrow in der Batman-Verfilmung von Christopher Nolan, erneut fiel er mir im Science-Fiction-Thriller ›Inception‹ an der Seite von Leonardo DiCaprio auf (aber wer fällt neben dem blassen Mr. Titanic nicht auf?!). 


Murphy kann das, was mir bei einigen englischen Schauspielern immer wieder auffällt und was ich deshalb den ›britischen Minimalismus‹ nenne: Er bringt die (zumeist brachialen) Emotionen mit wenigen, kaum wahrnehmbaren Gesichtsausdrücken und Bewegungen authentisch herüber. Und verleiht seiner Figur damit eine Tiefe, die hinter der Lieblosigkeit Shelbys latent lauert. Man spürt ihn regelrecht, diesen seelischen Abgrund, ist wie hypnotisiert und wartet darauf, dass sich der Boden endlich auftut und man einen Blick in die Hölle erhaschen kann (die Couchlehne hält man dabei fest umklammert, damit man nicht mit hineingezogen wird).
Und dann ist da noch sein Aussehen – was haben die Briten nur alle an sich, dass sie auf der einen Seite so gar nicht unter den Begriff ›attraktiv‹ fallen, und man dennoch nicht wegsehen kann?! Das muss an dieser Magie liegen, die manche SchauspielerInnen einfach haben, dieses Charisma, diese Ausstrahlung, dieser Glanz, der sich über den Fernseher auf den Zuschauer überträgt. Murphy hat sie jedenfalls, diese Magie.
Kurzum: Mich hat er überzeugt, der Ire gehört für mich zu den ganz Großen.


Ebenso verhält es sich mit Sam Neill,  den wir alle aus ›Jurassic Park‹ kennen, und der der Figur des Chief Inspector Chester Campbell mit wenigen Gesten und Mimiken wunderbar Leben einhaucht.
Auch die Darsteller der Shelby-Familie sowie die Nebendarsteller sind gut gewählt.








Mit einer Ausnahme: Was hat sich der Cast dabei gedacht, Annabelle Wallis  die Rolle von Grace Burgess, der Geliebten von Thomas Shelby, zu geben? Diese Frau mag ja eisblaue Augen haben und damit ein wenig (ein wenig!) stechend dreinschauen können, als Kellnerin im Pup der Shelbys wirkt sie aber mehr als verloren. Sie passt so gut in die Spelunke wie unsere Bundeskanzlerin in ›Germany‘s Next Topmodel‹, und dem nicht genug, singt sie auch noch vor den Verbrechern mit ihrem dünnen Stimmchen. Ihr Gesang (sie verhunzt wunderschöne irische Volkslieder; überzeugt euch selbst) soll sie vor möglichen gewalttätigen Übergriffen der Pup-Klientel schützen, und das setzt dem hanebüchenen Szenario wirklich die Krone auf. Die ihr zugedachte Rolle nimmt man ihr aufgrund ihres Mauerblümchen-Aussehens nicht ab, und dabei ist gleichgültig, ob sie gut schauspielert oder nicht.




Die erste Staffel verliert stellenweise an Glaubwürdigkeit. Es gibt gewisse Situationen, in denen habe ich mich wirklich gefragt, ob etwas herausgeschnitten wurde oder es dem Drehbuch beziehungsweise der Ausgestaltung der Protagonisten schlichtweg an Tiefgang gefehlt hat.
Es gibt einige überraschende Wendungen, die machen das so einigermaßen wieder wett, ganz überzeugen kann die erste Staffel allerdings nicht. Erst gegen Ende (der Cliffhanger, mein Gott, der Cliffhanger!) wird es wieder eindringlich und ziemlich spannend.
Die zweite Staffel ist dafür umso besser. Die Handlungsstränge verdichten sich, sowohl Protagonisten als auch Antagonisten gewinnen an Authentizität, Charaktere wie auch Plot werden vielschichtiger und damit spannender. Die Dramaturgie gewinnt dabei auf ganzer Linie.
Aber auch die Brutalität nimmt zu. Kaum zu glauben, doch ›Peaky Blinders‹ ist phasenweise härter als die HBO-Serie ›Boardwalk Empire‹. Also nichts für schwache Nerven.

Daneben gibt es weitere Merkmale, die die Serie von ›Boardwalk Empire‹ unterscheiden.  Ganz klar im Vordergrund steht die Historie. Während ›Boardwalk Empire‹ mit einigen gut recherchierten Fakten innerhalb fiktiver Handlungen aufwartet (wusstet ihr, dass John F. Kennedys Vater Joseph tatsächlich in den Alkoholschmuggel involviert war? – nachzulesen in Wikipedia), kann das ›Peaky Blinders‹ nicht. Laut einem Artikel aus der Birmingham Mail hat es die Shelbys nicht gegeben, dafür aber deren Gegner, Billy Kimber, an den die Figur des Thomas Shelby anscheinend angelehnt wurde. Das sehen wir aber großzügig nach, denn auch Enoch ›Nucky‹ Thomson (Steve Buscemi),
  
basierend auf der realen Person Enoch L. Johnson, war kein so großer Mann wie in der Serie dargestellt. Auch die Rasierklingen scheinen unwahrscheinlich, da dieses Utensil damals ein Luxusgegenstand war.

Das alles ist zwar interessant, ins Urteil möchte ich es aber nicht einfließen lassen, es sei nur nebenbei erwähnt. Wir haben es mit einer Serie zu tun, und mit keiner geschichtlichen Dokumentation.
›Boardwalk Empire‹ sticht im Vergleich zu ›Peaky Blinders‹ hauptsächlich durch einen perfekten Cast hervor. Kein Schauspieler ist fehl am Platz, jeder Protagonist, ob Haupt- oder Nebenrolle, brilliert durch Authentizität, jedem nimmt man seine Rolle ab (ich denke speziell an Stephen Graham als Al Capone – was hat das Spaß gemacht! – von Steve Buscemi ganz zu schweigen!). In dieser Hinsicht kann ›Peaky Blinders‹ selbst mit Cillian Murphy nicht mithalten.


Es bleibt abzuwarten, was die weitere Staffel bringt, immerhin ist ›Boardwalk Empire‹ abgeschlossen (was war das für ein mieser Abschluss?!) und ›Peaky Blinders‹ nicht. Letzteres hat allemal mit fabelhaften Staffel-Enden (Cliffhanger inklusive) geschlossen, und ich warte voller Sehnsucht auf die Fortsetzung.




Trotz der genannten Mängel überwiegen in meinen Augen die positiven Merkmale, denn ich habe auf wirklich hohem Niveau gejammert. Die Briten haben es wieder einmal geschafft und eine begnadete Serie mit cooler Musik, erstklassiger Filmkunst und grandiosen schauspielerischen Leistungen ins Leben gerufen.
Wer also Serien mit (mehr oder weniger) realen Hintergründen über Gangs mit innerlich zerrissenen Protagonisten, cooler Musik, hochkarätigen Schauspielern und dem besonderen Etwas im Filmschnitt mag, der ist mit ›Peaky Blinders – Gangs of Birmingham‹ gut bedient.
Für mich persönlich hat es die Serie in die Liste meiner wenigen Favoriten geschafft, ich würde ihr gern fünf Fernseher plus einen der seltenen zusätzlichen Fernseher verleihen, objektiv betrachtet kann ich das aber leider nicht machen. Darum bekommt sie von mir 4,5 sehr gute Fernseher.





Eure
Joan Smith


(Ich empfehle, die Serie im Originalton anzusehen, weil die Schauspieler versucht haben, im Birminghamer Slang von 1920 zu sprechen.)






(Die Bilder zu "Peaky Blinders" stammen von der BBC-Webseite: http://www.bbc.com/  Die Bilder zu "Boardwalk Empire" von der HBO-Seite: http://www.hbo.com/ )
2 mal erwischt
  1. Guten Morgen,

    vielen Dank für diesen tollen Einblick! Hört sich, trotz gelegentlichen Schwächen in der ersten Staffel ganz gut an! Behalte ich auf jeden Fall im Auge und hoffe, dass es die Serie auch bei Netflix geben wird... Komischerweise kauf ich nämlich meist eher Filme statt Serien... die einzigen Ausnahmen: Gilmore Girls, Lost, Sherlock Holmes und The Walking Dead, weil ich meist die Befürchtung habe, die Folgen nur einmal zu schauen und deswegen muss mich bei Serien direkt und unsterblich verlieben!
    Bei Lost habe ich mich nach dem lieblosen Ende zum Beispiel über den Kauf geärgert. Und die Gilmore Girls haben durch die Jahre hinweg auch an Reiz eingebüßt. Was ich früher so geliebt habe und stundenlang schauen konnte, sehe ich heute mit anderen Augen und auch verstärkt die Zickereien und Schwächen in der Serie.
    Wenn ich krank bin, schaue ich mir trotzdem liebendgerne mehrere Folgen hintereinander an ;)

    Liebste Grüße,
    Kasia

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    1. Guten Morgen Kasia!

      Hört sich wirklich klasse an, oder? Da hat Joan uns sicherlich um den Finger gewickelt und nun sollte man wirklich diese Serie gucken. Schwächen gibt es ja überall, von daher kann ich eigentlich damit leben, wenn es im Großen und Ganzen dann gut ist.
      Lost hab ich abgebrochen. Ich fand, dass war dann nur noch ein einziger, großer Blödsinnbrei.
      Aber die GILMORE GIRLS! <3 Ich liebe LIEBE sie!! Könnnt ich immer wieder gucken und nun pass auf: Vor allem wenn ich krank bin! *Gilmore Girls Fan Club aufmach* :-D

      LG
      Tilly

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