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29. Januar 2015

"Der Junge von Lampedusa" von Joleen Carter // Rezension



https://www.facebook.com/pages/Joleen-Carter-Autorin-f%C3%BCr-Italien-und-Liebe/438823416232792



Joleen Carter ist das Pseudonym einer Hamburger Autorin, die sich auf leicht erotische Liebesromane spezialisiert hat, die sie seit Sommer 2013 in ihrer "Love Edition" veröffentlicht.
Da sie sich auch persönlich stark mit dem Land Italien verbunden fühlt, spielen ihre Geschichten überwiegend dort.
Angefangen mit Erotikgeschichten in der "Sex Edition", die sich nur an Leserinnen und Leser über 18 Jahren richteten, hat sie recht schnell den Spagat in das sanftere Liebesgenre gewagt.


Es ist Nacht, als das Meer mal wieder eine Ladung Flüchtlinge an den Strand von Lampedusa spült. Nur wenige haben die gefährliche Fahrt überlebt.
Da ist Giuliana, eine junge Italienerin, die ebenso wie die Gestrandeten von einem besseren Leben träumt.
Auf dem Markt der Insel beobachtet sie den 8-jährigen Buyu beim Stehlen und folgt ihm. Mit der Zeit kann sie sein Vertrauen gewinnen, ebenso wie das seines attraktiven Begleiters Juri.
Als Juri und sie sich schließlich näher kommen, werden sie erwischt. Um ihre Familie nicht in Verruf zu bringen, muss Giuliana Rücksicht nehmen. Doch als sie endlich begreift, dass Juri ihr viel mehr bedeutet als das Gerede der Leute, ist es zu spät.
Er ist fort. Und mit ihm der Junge.
Wird sie die beiden jemals wiedersehen?


Joleen Carter und ihre „Love Edition“ haben es mir ja irgendwie angetan und deswegen war ich ganz gespannt, was sie uns LeserInnen hier wieder gezaubert hat.

Diesmal schlägt die Autorin mit einem sehr ernsten und aktuellen Thema auf: Flüchtlinge. Die Grundgeschichte ist schnell erzählt. Ein Flüchtling aus Afrika wird vor der Küste von Lampedusa aus dem Wasser gefischt. Er hofft auf ein besseres Leben, wird aber schnell eines Besseren belehrt. Hin und her geschoben ist er der Willkür der Behörden ausgeliefert bis ihm die Abschiebung droht.

Auf der anderen Seite ist eine junge Frau, die noch nie mit Flüchtlingen in Kontakt gekommen ist. Die Menschen auf Lampedusa leben ihre Vorurteile, aber sie fängt an, alles zu hinterfragen. Bald merkt sie, dass nichts so ist, wie alle Menschen es ihr erzählen und sie muss für sich selbst entscheiden, was sie denkt und vor allem, was sie unternehmen will.

Giuliana ist eine junge Frau, die nichts anderes kennt, als das Leben auf Lampedusa. Sie arbeitet dort um ihre Familie zu unterstützen, kennt alle Menschen im Ort und erhofft sich nicht mehr viel. Bis sie auf Buyu trifft, einen kleinen Flüchtlingsjungen. Das Treffen mit ihm verändert sie und ihr Leben. Am Anfang fand ich Giuliana wirklich naiv. Mit ihren 24 Jahren glaubt sie alles, was ihr erzählt wird und benahm sich doch hin und wieder wie ein kleines Kind, was erklärte, warum sie von anderen genau so behandelt wird. Allerdings legt sich dieses Verhalten sehr schnell, da sie lernt, dass Vorurteile schädlich sind und meistens total unbegründet. Sie setzt sich durch, bildet ihre eigene Meinung und kämpft für das, was sie liebt. Gerade gegen Ende wirkte Giuliana sehr erwachsen und reif. Sie hat dazu gelernt und versucht das Beste aus ihrem Leben zu machen, auch wenn die Möglichkeiten sehr eingeschränkt sind. Man liest ihre Entwicklung einfach aus der Geschichte heraus und das mochte ich ganz besonders!

Juri, „ihr“ Flüchtling, ist da ganz anders. Alle in seinem Dorf haben für die Überfahrt nach Italien zusammengelegt. Er hofft auf ein besseres Leben, Arbeit und Geld, damit er seine Familie unterstützen kann. Alles was er aber findet ist Hass und Ablehnung. Niemand will die Flüchtlinge haben und keiner gibt ihnen auch nur eine Chance. Bis auf die kleine Italienerin, die scheinbar anders ist. Sie nähern sich an, langsam, vorsichtig. Juri merkt, dass nicht alle gleich sind und dass auch er Vorurteile hatte. Aber vor allem hatte er vollkommen falsche Vorstellungen von einem Leben in Italien. Juri ist ein sehr starker Charakter, dem man aber die Strapazen der Behörden-Willkür anmerkt, denn er wird immer hoffnungsloser und resignierter. Er akzeptiert, dass er gegen „die Weißen“ nicht ankommt und das fand ich sehr schade. Er soll sich nicht alles gefallen lassen, aber irgendwie fehlt ihm gegen Ende der Kampfgeist.

Joleen Carter hat hier wieder eine wunderbare Geschichte gesponnen, um die Liebe, die scheinbar keine Chancen hat. Es ist ein ernstes Thema, aber ich glaube, dass die Autorin sich diesmal zu sehr mit der Materie der Flüchtlinge beschäftigt hat. Es dreht sich in erster Linie um die Möglichkeit, in Europa zu bleiben. Als Leser erlebt man das Martyrium mit, sieht was Juri alles durch macht. Ungerechtigkeit wiederfährt ihm an jeder Ecke. Giuliana wird von ihrer Familie gemieden und von allen anderen schief angeguckt. Die Behörden sind unfreundlich und voreingenommen. Vielleicht werden hier ein bisschen zu viel alle über einen Kamm geschert (ich weiß nicht, wie so etwas abläuft, ich habe es nur so heraus gelesen). Und dadurch, da dieses Thema ja doch recht brisant ist, kommt mir persönlich leider die Liebe viel zu kurz. Mir fehlte es an persönlichem Drama. Dieses Herschmerz-Gefühl kam einfach nicht bei mir an. Ich muss leider sagen, dass kenne ich von Joleen anders.

Zwei Dinge hätte ich noch. Erstens: Juri kommt nach Europa um seine Familie in Somalia finanziell zu unterstützen. Leider geht das nach einer Weile vollkommen unter und wird am Ende gar nicht mehr erwähnt. Schickt er Geld zu seiner Familie? Was macht er?
Und zweitens: Das Ende. Es war für mich diesmal kein schönes Ende. Behörden-Willkür, verschobene Träume, keinerlei andere Möglichkeiten. Ich weiß, dass das Leben so ist. Das Leben ist keine Geschichte, aber „Der Junge von Lampedusa“ schon. Ich will nicht lesen, wie mies doch alles ist und wie die Menschen mit Juri umgehen, weil er Schwarz ist. Ich will am Ende mein Happy End! *mit dem Fuß aufstampf*
Versteht mich nicht falsch, das Ende ist „gut“, jedenfalls im Großen und Ganzen und für Juri und Giuliana, aber es ist kein Happy End, wie sie Joleen sonst am Ende ihrer Geschichten hat.


„Der Junge von Lampedusa“ ist eine wunderbare Geschichte über die Liebe von zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können. Über einen Weg, der mehr Steine hat, als gut ist. Und über die Möglichkeiten, die man eben nicht hat. Mir persönlich ist sie zu Behördenlastig, zu nüchtern. Mir fehlt die Liebe, der Herzschmerz und das tränenreiche Happy End.


„Der Junge von Lampedusa“ von Joleen Carter bekommt von mir sehr gute 3 von 5 Marken. Der Schreibstil war typisch Joleen, aber die Thematik war mir zu nüchtern rüber gebracht. Wo waren deine Emotionen, Joleen?




(Das Copyright von Text & Bildmaterialien liegt bei den jeweiligen Verlagen und deren Autoren, die allesamt bei uns im Impressum erwähnt worden sind.)
2 mal erwischt
  1. Das Buch hört sich richtig gut an, ich finde das Thema wirklich sehr interessant, denn es ja gerade wirklich top aktuell, in fast jeder Stadt kommt man ja damit in Kontakt. Ich finde es wirklich schade, dass es da so viele Vorurteile gibt, weswegen ich das Buch sehr interessant finde. Vor allem, wenn da noch eine Liebesgeschichte dabei ist, auch wenn du meinst, dass die nicht so herausgehoben wird.
    Das Buch behalte ich auf jeden Fall mal im Auge :)
    Liebe Grüße,
    Jana

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    1. Hey Jana!

      Die aktuellen Hintergründe sind wirklich interessant und als Leser erhält man einen kleinen Einblick, wie das eigentlich alles abläuft! Die Liebe ist zwar da und in Bezug auf die Geschichte auch glaubhaft, aber nicht so "Joleen" wie sonst. ^^

      LG
      Tilly

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