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1. Oktober 2014

"Schneewittchens Geister" von Hanna-Linn Hava / Rezension


 

Hanna-Linn Hava wurde vor 202 Jahren als letzter Sohn eines uralten, längst ausgestorbenen Adelsgeschlechts mit moosgrünem Blut geboren und sofort im finsteren Wald ausgesetzt, weil sie kein Prinz sein wollte. Noch heute sind ihre Tränen türkisfarben, wenn sie weint, was stets nur bei schlechten Filmen geschieht. Nachdem sie von einem Wanderzirkus tückischer Clown-Feen aufgelesen wurde, lernte sie schon früh die hohe Kunst der Hornissendressur und Irrlichterjonglage. Im Alter von fünf Jahren wurde sie von ihrer Adoptivfamilie wegen zu hohem Wuchs verstoßen und trieb sich daraufhin einige Jahrzehnte mit zwielichtem Volk in der Unterwelt herum. 

Über diese Zeit ist glücklicherweise wenig überliefert. Um einige Erfahrungen reicher suchte sie in den südlichsten Wüsten ihr Glück, wo sie eine Weile friedlich ein Café für Geister unterhielt, bis sie von einem genmanipulierten Tagpfauenauge gebissen wurde und sich mit einem unheilbaren Überschuss an Fantasie infizierte. Da sie dadurch Schwierigkeiten mit der Unterscheidung zwischen Realität und Wahn bekam, musste sie lange ihren Lebensunterhalt mit dem Züchten von Seegurken verdienen, bevor sie auf die glorreiche Idee kam, Gedichte zu schreiben, wodurch sie zu unermesslichem Reichtum gelangte. Heute kümmert sie sich um wildgewordene Oxymorone, die sie einfängt, zähmt und wieder freilässt.


Schneewittchen heißt eigentlich Ernestine Nordmoor und mag Totenköpfe. Sie raucht, ist depressiv und eine Hypochonderin. Weil sie außerdem noch Geister sieht, ist sie in der Psychiatrie ein Dauergast. Als sie eines Tages auf einen verdächtigen Prinzen trifft, ist nichts mehr wie zuvor. Ernestine muss um ihr Leben fürchten, denn plötzlich ist nicht nur die böse Hexe, sondern auch gleich der Leibhaftige hinter ihr her… Hanna-Linn Hava spinnt frech das Grimmsche Garn weiter zu einem furiosen Fantasy-Spektakel, in dem sich Dornröschen, Rotkäppchen und Schneewittchen die Klinke in die Hand geben und sich mit Geistern, Lindwürmern und allerlei wenig zimperlichen Gestalten herumschlagen müssen.


Das Cover, die Umschlaggestaltung, das Design ist der HAMMER! Ich fand es auf den ersten Blick so genial, dass ich allein deswegen mir das Buch näher angesehen habe. Nach dem Lesen weiß ich die Gestaltung sogar noch mehr zu schätzen, denn mehr Inhalt in einer Umschlaggestaltung geht sicherlich nicht! Ich bin begeistert!



Wie schon erwähnt, war das Cover das Erste, was ich von „Schneewittchens Geister“ sah. Es hatte mich sofort in seinen Bann gezogen und ich kam um das Lesen der Geschichte nicht drum herum. Konnte Schneewittchen mich überzeugen oder habe ich sie am Ende mit einem Apfel vergiftet?



„Schlaft, Kinder“, sprach die Nacht traurig, „schlaft und sorgt euch nicht. Sorgt euch am Tage, aber schlaft jetzt!“ Dann vergoss sie einige Tränen und schlich erst auf leisen Sohlen davon, als der Tag erschien und müde die wintertrübe Sonne an den Himmel hängte.
(Kapitel 6, Seite 110, Zeile 10)

Es war einmal …
… eine nicht perfekte, nicht wunderschöne, nicht selbstbewusste junge Frau, die von ihren Ängsten getrieben wurde und eine unerklärliche und erschreckende Todessehnsucht an den Tag legte. Unser Schneewittchen heißt Ernestine Nordmoor, kurz Erni, und hat mit dem Grimmschen Zwergen-Babysitter nichts gemein. Außer vielleicht das Haar so schwarz wie Ebenholz und die Haut so weiß wie Schnee. Erni ist verschroben, um es mal nett auszudrücken. Sie bildet sich diverse, höchst tödliche Krankheiten ein, lässt sich selbst regelmäßig in die Geschlossene einliefern und sieht zu allem Überfluss auch noch Geister. Ich muss zugeben, ich mochte Erni. 
Sie ist sich ihrer Fehler, oder ihrer Fettnäpfchen in die sie tritt, nicht bewusst. Sie ist nett, herzensgut und auch im Angesicht der größten Not, steht sie mit erhobenen Hauptes da und kämpft gegen die Gefahr. Immer wieder wird ihr gesagt, dass sie krank ist, keiner akzeptiert sie und dennoch lässt sie sich nicht unterkriegen. Das hab ich wirklich bewundert, auch wenn Erni manchmal wirklich mehr Glück als Verstand hatte. Sie war mir mit ihrer eigenen, verträumten Art von Anfang an sympathisch. An einigen Stellen hätte ihr Verhalten leicht mit sehr seeehr viel Naivität gleich gesetzt werden können, aber die Handlung hat das nicht zugelassen, weil diese nie aufgesetzt gewirkt hat. Dadurch war unser Schneewittchen immer glaubhaft, selbst wenn sie mit Geistern sprach, Höhlenhunde wachsen sah oder Finger beerdigte.


Im tiefen, dunklen Wald …
… lebten keine sieben Zwerge, keine liebe Großmutter und auch kein böser Wolf. Die sieben Zwerge sind hier sieben kleine Kindergeister, die so süß sind, dass man sie lieben muss, selbst wenn man sie nicht sieht. Eins davon scheint etwas still zu sein, allerdings ist die Autorin da nicht weiter drauf eingegangen. Ich dachte immer, dass es mit dem siebten der Zwergengeister noch mehr auf sich hatte, weil immer wieder betont wurde, wie still und in sich zurückgezogen das kleine Mädchen war. Aber vielleicht hab ich da auch nur mehr gesehen, als tatsächlich da war. Die Großmutter ist weder lieb noch nett. Sie ist eine alte herrische Fuchtel, die weder Bettlägerig ist noch gepflegt werden muss. Ich war schwer beeindruckt von ihrem unbeugsamen Willen, denn sie hat trotz ein paar kleiner Momente, immer das in Schneewittchen gesehen, was sie wirklich war.
Der böse Wolf hat eigentlich gar nichts mit Schneewittchen direkt zu tun und erst ganz am Ende sind sie mal auf einander getroffen. Kurz und schmerzlos - wortwörtlich, denn es ist zwischen ihnen nichts passiert. Schneewittchen musste gegen die böse Hexe kämpfen, die hier mehr Erscheinungsbilder hatte, als man Hexen zusprechen sollte, aber die ganze Vielfalt sprach durchaus für sich.


Im Schloss gab es ein großes Fest …
… und alle Gäste des Märchenreiches fanden sich ein. Wirklich. Alle! Von Schneewittchen, über Dornröschen und Rotkäppchen bis hin zum alten Gefecht von Gott und Teufel, war alles da. Äpfel, die sieben Zwerge, der böse Wolf, der rettende Prinz, ein hundertjähriger Fluch, Drachen, Vampire, Ghule … nur die Zombies haben mir gefehlt. ^^
Ich fand es wirklich einzigartig, wie die Autorin die einzelnen Elemente der vielen Märchen miteinander verbunden hatte. Jedes hatte seinen Platz, jeder kleine Hinweis brachte mich zum Lachen. Auch wenn die Märchenprinzessinnen nicht in ihrer üblichen Gestalt auftreten, so hatten doch alle ihren eigenen Flair und waren Charmant, auf die eine oder andere Weise. In „Schneewittchens Geister“ wird nicht eine Geschichte erzählt, sondern viele kleine. Sie bauen aufeinander auf, verknüpfen sich und enden zusammen in einem großen Knall. Nichts bleibt offen, alles ergibt am Ende Sinn, auch wenn ich mich zwischendurch manchmal fragte, wie das alles enden soll.


Der Apfel und die Spindel aber…
… waren giftig und sollten töten. Taten sie aber nicht, denn der Apfel war bitter und auf das Spinnrad hatte niemand Lust. Ich weiß nicht, wie ich meine Kritik zum Besten geben soll, denn eigentlich ist es auch ein Lob. Die Sprache war leicht Märchenhaft, die Figuren sprachen meist sehr gehoben. Es war wie, als würde ich tatsächlich in einem Märchen versinken. Aber auf Dauer war das alles dann doch zu anstrengend zu lesen. Es war schwer und erdrückend und dadurch hatte die Geschichte in der Mitte einen kleinen Hänger. Obwohl die Handlung konstant weiter geht, sich immer weiter aufbaut und auch die Spannung wirklich hoch ist, war diese gehobene, schwere Sprache auf Dauer zu viel des Guten.


Und wenn sie nicht gestorben sind …
… dann beschützen Schneewittchen und ihr Prinz die Menschheit noch immer vor den bösen Monstern. Das Ende fand ich wirklich klasse. Es gab einige Tote (davon gab es eigentlich sogar recht viele, während der Geschichte … O.o), eine Auflösung… nein, fünf Auflösungen und zwar für jeden wichtigen Protagonisten eine und ich war glücklich und zufrieden. Die Figuren haben sich entwickelt, das Ende schloss mit dem Anfang gleich und meine Fragen wurden alle zufriedenstellend geklärt. Als Leser kann man sich so ein rundes Ende, das aber genug Platz für eigene Interpretationen lässt, eigentlich nur Wünschen.

„Ich glaube, es gibt keinen Wahnsinn“, seufzte sie zwischen zwei tiefen Zügen an ihrer Zigarette, „ich glaube, es gibt nur viel zu viel Realität.“
(Kapitel 11, Seite 222, Zeile 31)


„Schneewittchens Geister“ ist keine leichte Lektüre, was die Sprache und den Erzählstil angeht, aber genau da liegt der Charme der Geschichte. Wer Märchen mag und auf eine Neu-Interpretation derer nicht abgeneigt ist, ist bei Schneewittchen und ihrem Höhlenhund genau richtig. Spannung, tiefschwarzer Humor, Sarkasmus und herrlich dunkle Ironie, all das und noch viel mehr, findet man zwischen einer wirklich genialen Umschlaggestaltung.



„Schneewittchens Geister“ von Hanna-Linn Hava bekommt von mir sehr gut 4 von 5 Marken. Ich hatte zwischendurch einfach zu große Probleme, was Sprache und Erzählstil angehen, sodass ich eine Pause einlegen musste. Aber das ist Geschmackssache und ich bin mir sicher, dass die Geschichte sehr viele Anhänger finden wird!













(Das Copyright von Text & Bildmaterialien liegt bei den jeweiligen Verlagen und deren Autoren, die allesamt bei uns im Impressum erwähnt worden sind.)
10 mal erwischt
  1. Hallo liebe Tilly! (:
    Das klingt nach einem richtig tollen Buch! Schneewitchen fand ich schon immer toll *---* Als ich klein war habe ich gemeinsam mit meiner Schwester sogar ein Theaterstück dazu eingeprobt und dann unseren Eltern präsentiert. Haha ^^ Das Buch werde ich mir auf jeden Fall merken :)) Danke für diese tolle Rezi!

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Hey Jasi!

      Das Buch ist toll! ABER nicht mit Schneewittchen im eigentlichen Sinne zu vergleichen. Wenn du das nicht vergisst, macht das Lesen wirklich Spaß, weil ja auch noch Dornröschen und Co auftauchen. Die Märchen einzuarbeiten und NEU einzubinden, dass hat die Autorin wirklich Megaklasse hinbekommen!

      LG
      Tilly

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  2. Danke fürs neugierig machen^^ Das klingt wirklich sehr gut und ich werds mir mal vormerken :-)

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    1. Sehr gern Eva! :-D
      Ich kann es nur empfehlen, es ist mal etwas anderes! :-)

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  3. Hey liebe Tilly =)
    Was für eine tolle Rezension zu einem doch sehr ungewöhnlichen Buch. Das Cover finde ich auch absolut genial =) Und die Idee dahinter hört sich auch total interessant und spannend an.
    Ich werde das Buch definitiv auf die Wunschliste setzen und wer weiß, vielleicht tauche ich auch irgendwann in dieses etwas andere Märchen ein =)
    Ich wünsche euch einen tollen Tag <3
    LG Sunny

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    1. Hey liebe Sunny!

      Dankeschön! Und du hast Recht: Das Cover ist DER HAMMER! Warts mal ab, ich kann dir (euch allen) bald was richtig RICHTIG geiles zeigen!! Das hat mich glatt umgehauen!
      Das Buch ist wirklich klasse und ich denke, du wirst deine Freude daran haben. Ich bin froh, dass ich darauf gestoßen bin, weil es auch mal ganz anders ist, als das was ich sonst so lese. :-)

      LG
      Tilly

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  4. Eine sehr schöne Rezension :) - Das Buch klingt echt interessant :)

    Liebe Grüße,
    Lisa

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    1. Danke! Ich kann das Buch echt empfehlen! :-)

      LG
      Tilly

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  5. Hallo liebe Tilly,
    mir ist das Buch auch schon wegen seines unglaublich tollen Covers aufgefallen und der Klappentext hat mich noch neugieriger gemacht. Ich liebe Märchenadaptionen und diese hier klingt so völlig anders und außergewöhnlich, dass ich das Buch schon auf meine Wunschliste gesetzt habe. Danke für deine schöne Rezension, sie hat mich in meiner Meinung noch bestärkt. :)

    Liebe Grüße
    Diana

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    1. Hey Diana!
      Das war auch das erste, was mir ins Auge gesprungen ist: Das MEGA Cover. Aber die ganze Umschlagsgestaltung ist der Hammer! Wenn man das Buch gelesen hat, macht das alles sogar noch mehr Sinn. Ich hab auf dem Buchrücken noch so viele Einzelheiten entdeckt ... *seufz* :-D
      Ich kann es dir wirklich ans Herz legen, mir hat es gefallen, weil es einfach mal etwas anderes war. Herrlich unmainstreamhaft. :-D
      Freut mich, dass ich deine WuLi aufstocken konnte. :-D

      LG
      Tilly

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