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30. August 2014

„Bis ich 21 war“ von Ela Angerer / Rezension




Ela Angerer, geboren 1964 in Wien, arbeitet als Schriftstellerin, freie Autorin und Fotografin. Sie ist Herausgeberin der Buchreihe "Moderne Nerven". Aus den gesammelten Texten des dritten Bandes, "Porno", verfasste sie das gleichnamige Theaterstück, das unter ihrer Regie im Herbst 2011 im Wiener Rabenhof Theater uraufgeführt wurde. "Bis ich 21 war" ist ihr erster Roman.


Eine Mutter, die lieber am anderen Ende der Welt mit Omar Sharif Bridge spielt. Ein Vater, der seine Tochter zu hässlich findet, um sich mit ihr auf der Straße zu zeigen. Das ist die Situation der Ich-Erzählerin, und die verschärft sich noch, als die Mutter den Vater für einen Multimillionär verlässt. Die Eltern sind abwesend, das Personal hilflos. Mit dreizehn beginnt das Mädchen eine Affäre mit einer jungen Krankenschwester und nimmt Drogen. Das fällt sogar den Eltern auf – die Tochter kommt ins Internat und lernt dort, dass es das Böse wirklich gibt. Ela Angerer erzählt in ihrem autobiographischen Roman vom Ungeheuerlichen, das einem Kind widerfahren kann, schonungslos, offen und eindringlich.


Biographien: Ein Ort, den ich selten betrete, da ich weiß, welche Gefahr von ihm oftmals ausgeht. Eine Gefahr, die in der Realität stattfindet, uns allen passieren könnte. Anderen wirklich passiert ist. Und das Schlimmste: Der Ort ist gnadenlos zu seinen Bewohnern. Autobiographien sind da aber noch von einer viel sensibleren Sorte, denn die Bewohner sind gleichzeitig die Erzähler.
Sie verunsichern mich ehrlich gesagt etwas mehr als die Biographien. Denn die Angst, dass ich jemanden mit meiner Meinung verletzen oder angreifen könnte, ist allgegenwärtig. Direkter. Und dennoch werde ich versuchen, meine ehrliche Meinung mitzuteilen und die Gefühle, die ich empfand, darzustellen. Wie ich mich während dem Lesen gefühlt habe, wie ich die Protagonistin wahrnahm. Das hat Autor von seinen Leser verdient. Alleine für den Mut, diese Dinge mit einer Buchveröffentlichung zu verarbeiten und sie jedem offenzulegen. Das hat Ela Angerer verdient, und genau das wird sie hier in meiner Rezension auch bekommen.

Meine Ankunft am Bahnhof des Lebens, auf der Suche nach dem richtigen Zug…

Die Neugierde packte mich, als ich von dieser Geschichte hörte, mir den Klappentext durchlas und sich automatisch Vermutungen über den Inhalt in meinen Verstand ein nisteten. Was geschah einer Person, dass es unbedingt aufgeschrieben werden musste? Auch wenn ich wusste, dass ich wieder mal einen etwas anderen Ort betreten müsste: Ich war neugierig und bereit, in das Leben der Autorin einzutauchen. So geschah es, dass ich am Bahnhof des Lebens angekommen war. Ich blieb stehen, versuchte, nicht in der Menschenmenge, die sich dort herumtrieb, unterzugehen. Es waren Schaulustige unter ihnen, die mit ihren gierigen Mäulern bereit waren, sich auf das Geschehen zu stürzen. Interessierte Leser, wie ich selbst einer bin aber auch schattenhafte Gestalten, die ich nicht einordnen konnte.

Nach und nach lief ich an den unterschiedlichsten Zügen vorbei, blieb kurz stehen, lauschte den ständig aufkommenden Durchsagen. Versuchte, die EINE Durchsage herauszuhören. Menschen fanden derweil ihre Züge und stiegen ein, andere liefen aber auch noch unentschlossen herum. Dreck war überall vertreten. Die Züge sahen auch mehr mitgenommen als fahrtüchtig aus. Und doch erblickte ich, zwischen all den leblosen Zügen, einen ganz besondere. Einen, bei dem ich sofort wusste, dass ich dort einzusteigen habe. Er wirkte kleiner, verletzlicher, unsicherer aber gleichzeitig gerade dadurch stärker, da er es zwischen all den anderen Zügen immer noch schaffte, aus der Masse hervorzustechen.

Mit einem letzten Blick auf meinen Fahrschein, betrat ich den ICE, das Ticket fest umgriffen in meiner Hand. Die Zahl 21 sollte mein Platz werden und so durchlief ich das erste Abteil. Ich wusste bis dato noch nicht, dass ich auf meinen Weg bis zur 21, auf jede Menge Menschen treffen sollte. Menschen, die die Protagonistin kennenlernte, die ihr Leben veränderten. Im Positiven sowie im Negativen. So genau kann ich das nicht beurteilen. So genau weiß es nicht mal die Protagonistin. Alle hatten ihre Geschichten zu erzählen, doch nur die eine hier zählte. Aber was hatten die anderen Menschen dann hier zu suchen? Schnell merkte ich, dass dieser ICE kein normaler Zug war, dass diese Menschen, die mit ihm fuhren, mehr Schaden anrichteten, als das es dem Zug geholfen hätte. Sie waren keine Fahrgäste, die das Leben schöner machten, dem Zug richtig geholfen haben. Als mich diese Erkenntnis Abteil für Abteil immer intensiver einholte, hielt ich kurz inne. Blieb mitten im vollbepackten Abteil stehen, schloss meine Augen und konzentrierte mich auf die Zugdurchsage, die ununterbrochen ihre Geschichte erzählte. Die der Hauprotagonistin.

Sie erzählte von den Dingen, die man einem kleinen Mädchen angetan, die sie durchlebt und durchlitten hatte. Wie die Erwachsenen alles, was man nur falsch mit einem Kind machen konnte, getan hatten. Ihr Selbstvertrauen schon an dem Tag der Geburt ins Lächerliche zogen, indem sie abfällige Bemerkungen über das äußere eines Neugeborenen losließen. Wie sich diese Tortur Jahr für Jahr verschlimmerte. Dieses Mädchen wollte normal sein, wusste aber nicht, wie sich normale Kinder verhalten sollten. Sie tat alles, um den Erwachsenen zu gefallen, und tat es am Ende doch nur falsch. Denn die Erwachsenen in ihrer Welt nutzten das aus, und zwar mit den schlechtesten Gedanken, die man einem Kind NICHT zumuten sollte. Ohne jegliche Gedanken darüber, wie es dem Mädchen ergehen könnte. Es gab stellen, da musste ich ganz schon schlucken, aber mehr, weil meine Fantasie sich den Rest denken konnte. Auch die Gedanken, die Durchsagen des Mädchens, waren so Altersfremd für mich. So unwirklich. Dadurch wurde mir verdeutlicht, dass sie anders dachte als ich, aber nur, weil sie nichts anderes kannte. Sie war in ihrem Leben bereits viel rumgekommen, verbrachte mehr Zeit mit der Einsamkeit, mit sich selbst. Irgendwie schien ihr das richtige, Sozialverhalten zu fehlen. Aber das machte sie in meinen Augen nur glaubhafter und keineswegs unsympathischere. Sie war authentisch, gerade in Anbetracht ihrer Umstände. Ihres Lebensstils.

Allerdings verzichtet die Autorin meiner Meinung nach auf einen gewissen Tiefgang, verbleibt nie zu lange an einer Stelle. Der Zug raste mit immer stärkerer Geschwindigkeit auf den Gleisen, ohne mir einen langen Blick durch und aus dem Zug zu gewähren. Ich habe mich lange gefragt, woran das alles liegen könnte, denn genau hier steckt auch mein größter Kritikpunkt: 

Es geht zu schnell an mir vorbei, wird nur kurz aufgegriffen und so „belanglos“ erzählt, dass man ernsthaft meinen könnte, es sei gar nicht schlimm. Aber das erschreckende an der Tatsache: Es war schlimm und NICHT normal. Jetzt stellt sich mir die Frage:
War das ein, von der Autorin absichtlich herbeigerufener Nebeneffekt oder eher unabsichtlicher Punkt, den ich kritisieren sollte?
Denn so sehr ich mich auch dem Mädchen nähern, eine Verbindung aufbauen wollte, desto sehr sorgte die Autorin mit ihrer Schnelligkeit für das genaue Gegenteil. Auch, das der Erzählstil mit der Zeit gefühlsmäßig gleich blieb, er nicht mal kurz angehalten wurde und in mehr Dialoge überging...ich empfand es mehr als einen Kritikpunkt, denn dadurch, dass diese Schnelligkeit im gesamten Buch beibehalten wurde, wurde so viel Potenzial verworfen.
Auch wenn mein Interesse immer noch aufmerksam zuhörte, konnte ich nun mal durch all die erzählten Informationen herauslesen, was ich alles verpasst hatte. Was mir nicht so genau gezeigt wurde. Und es sollte mich nicht traurig stimmen, denn solche Bücher sollen mich nicht Unterhalten, aber ich hatte meine Erwartungen, die nicht ganz erfüllt wurden.

Ela Angerers Erzählstil bleibt trotz alldem auf einem hohen Niveau und sie stellt an den richtigen Stellen die richtigen Fragen, lässt Erkenntnisse aufblicken und offenbart tiefgründige Botschaften, über die wir uns alle Gedanken machen sollten.

Es wurde von einer auf den ersten Blick goldenen, reichen Welt erzählt, die aber beim näher hinschauen erschreckende Abgründe offenbarte. Abgründe, die die Protagonistin, die Autorin, meistern musste und es auch schaffte. Schaffte und daraus lernte, nur um wieder in den nächsten Abgrund gestupst zu werden, die eine weitere Narbe auf den Schienen ihres Lebens hinterließ. Wie die Höhen und Tiefen des Erwachsenenwerdens komplett falsch durchlebt werden mussten, weil sie hier keine andere Wahl hatte. Das Erzähltempo wurde hin und wieder zu rasch aufgegriffen. Ehe ich etwas richtig ausgelesen hatte, kam schon wieder etwas Neues auf mich zu. Das ich aber wiederrum nicht richtig verarbeiten konnte, denn der Zug raste, die Zeit schien knapp zu sein. Ich versuchte mich an einem Griff im Abteil festzuhalten, wusste aber, dass es vergeblich war. Die Autorin befahl dem Zug, wie er zu fahren hatte. Also gab ich mich dem Tempo hin, ließ mich fallen, ließ alles auf mich einwirken.
Gewöhnte mich daran, denn die Zugfahrt hatte einfach zu wichtige Durchsagen, die ich keinesfalls verpassen durfte.



Das ganze Buch las sich wie eine ICE-Fahrt, der auf den Schienen des Lebens seinen Weg bis zum Lebensabschnitt 21 zu fahren hatte. Er startete mit rasanter Geschwindigkeit, hielt selten bei für mich wichtigen Abschnitten an, blieb dabei aber stets auf hohem „Durchsagen-Niveau“. Dem Leser wird keine andere Wahl gelassen, als meiste Zeit an den Seiten zu kleben. Fasziniert und gleichzeitig geschockt über den Umgang, den man hier miteinander pflegte.
„Bis ich 21 war“ ist ein leicht angehauchter, autobiographischer Roman, der in meinen Augen sensible Themen nicht verschweigt, sie aber auch nicht so direkt anspricht, wie es vielleicht hätte getan werden können. Die Autorin offenbart es zwar sichtbar, aber verpackt es hin und wieder zu gut in Luftpolsterfolie, so als hätte sie vielleicht die Angst gehabt, dass es zu viel für den Leser sein könnte.

So schnell wie alles erzählt wurde, so schwer konnte ich mich auch in das alles hineintasten. Das gerade Erzählte nicht richtig verarbeiten. Denn binnen weniger Seiten wurde man schon mit neuen Lebensabschnitten konfrontiert, die, ehe ich es versah und überhaupt verarbeiten konnte, genauso sehr verschwanden, wie seine Vorgänger. Dabei behält die Autorin aber immer die Kontrolle und ihre Protagonistin, ihr Geschichte, wirkte nie zu übertrieben oder aufgesetzt. Es war glaubhaft, obwohl solche Erfahrungen für mich persönlich befremdlich waren. Ich es mir schwer vorstellen konnte, wie man Menschen so behandeln und aufziehen konnte.
Ich denke, das genau hier die größte Stärke der Autorin und ihrer Biographie liegt:
Man spürte die Kraft der Protagonistin, die sich eisern durch die Steine, die ihr in den Weg gelegt werden, durchsetzt. Wie sie zerbrochene Brücken nicht anstarrte sondern sich einen anderen Weg suchte. Wie sie den Narben auf ihren Schienen nicht lange Beachtung schenkte und weiter machte.



Hier tue ich mich wirklich schwer….aber ich denke, 4 von 5 Marken sind absolut verdient und ausreichend. Drei wären viel zu wenig, wenn man sich nur mal das schreiberische Können anschaut. 5 zu viel, wenn ich meine Kritikpunkte betrachte. Also nehme ich die Mitte: 4.














(Das Copyright von Text & Bildmaterialien liegt bei den jeweiligen Verlagen und deren Autoren, die allesamt bei uns im Impressum erwähnt worden sind.)
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