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15. Januar 2014

"Keinmärchen" von Simone Keil / Rezension

http://www.amazon.de/Keinm%C3%A4rchen-Simone-Keil/dp/1492764302/ref=tmm_pap_title_0?ie=UTF8&qid=1387802726&sr=8-1http://www.simonekeil.com/http://www.qindie.de/autorinnen/f-k/k/simone-keil/

http://www.qindie.de/autorinnen/f-k/k/simone-keil/




Simone Keil, geboren 1971, lebt und arbeitet in Hessen. Seit den ersten Leseversuchen hat sie ihr Herz an Märchen und phantastische Geschichten verloren. Zum Schreiben fand sie relativ spät, kann es aber seit dem nicht mehr lassen.


„Als Kind fürchtete ich die Dunkelheit. Die Geräusche, die aus den Schatten zu kommen schienen. Aber es ist nicht die Dunkelheit, die es zu fürchten gilt. Die Furcht lauert im Licht. Sie haben es nicht verstanden, keiner von ihnen, und manchmal wünschte ich, ich verstünde es ebenfalls nicht. Ich erzähle Keinmärchen. Und auch das verstehen sie nicht.“ Die meiste Zeit verbringt Erin im dunklen Keller. Kein Licht, keine Schatten. Er könnte dort sicher sein, doch er ist nicht allein …


Das Cover hat uns umgehend angelockt und neugierig gemacht. Es lässt sich anfangs eigentlich so gar nicht genau festlegen, worum es im Buch gehen könnte. Schattenklauen und eine dunkle, kleine Gestalt, die an einer offenen Tür steht. Düster und beängstigend. Ein besseres Cover hätte man sich für das Buch nicht wünschen können. Da hat die Grafikerin Jacqueline Spieweg wieder einmal eine Geschichte mit einem einmaligen Cover bestückt. Wer mehr von ihrer Arbeit sehen will:

http://jspieweg.de/arbeitsproben.html


Zusatzinfo: Wer bei der Produktbeschreibung von Amazon nachschaut, erhält hilfreiche Vorabinfos über das Buch, die wir erst nach dem Lesen durchgelesen haben. Mit Absicht. Nachdem wir uns also in ellenlangen Diskussionen vertieft hatten, wurden dank diesen Informationen einige dunkle Ecken in unseren Köpfen erleuchtet. Allerdings sollte jeder für sich selbst entscheiden, ob er seine Vermutungen vorab in eine bestimmte Richtung lenken lassen will oder, wie wir, alles auf einen zulassen kommen möchte. Hier erst einmal ein großes Dankeschön an die Autorin für das Rezensionsexemplar.



Diese Rezension wird jetzt genau so niedergeschrieben, wie wir uns nach dem Lesen gefühlt haben. Wir haben lange gerätselt, wie wir an das Schreiben dieser Rezension herangehen sollen, denn „Keinmärchen“ ist keine Geschichte wie jede andere. Und so konnten wir eben auch nicht diese Rezension angehen wie jede andere. Mal schauen, ob ihr zum Schluss erratet, welches Gefühl bei uns bis zum Schluss hin ganz vorn im Rennen lag. ^^
Wir werden hier jetzt unsere Meinung mit unseren Vermutungen und Gedanken paaren und diese kräftig mischen. Anders geht es leider diesmal nicht.

Denn obwohl es hier eindeutig einen Protagonisten gibt, jedenfalls irgendwie, möchten wir „Keinmärchen“ nicht in ein vorgefertigtes Muster pressen. Vermutungen können im Grunde nicht falsch sein. Jeder, der diese Geschichte liest und seine eigenen Vermutungen anstellt, hat also das Buch auf seine Art und Weise richtig gelesen. Ob unsere eigenen Vermutungen aber wenigstens in die richtige Richtung gehen, können nur die Autorin und der Protagonist Erin bestätigen. Bei Risiken oder Nebenwirkungen fragen sie dann bitte am Ende Dr. Stein. 

  
Zu eurer eigenen Sicherheit empfehlen wir jetzt noch, Augenbinden aufzusetzen, damit die Schatten euch nicht bekommen.
Vertraut uns da einfach.
Ach, und legt bitte das Holz aus der Hand! Sofort!

 

Mal ehrlich die Hand auf die Tastatur gelegt: Es war ein ganzes Stückchen Arbeit, sich durch diese Geschichte zu lesen. Hätten wir sie privat gelesen, wäre ein Abbruch schon bei 20 % wahrscheinlich gewesen. Obwohl das Buch relativ wenig Seiten hat, muss man doch aufmerksamer lesen als bei anderen Geschichten, um auch alles haargenau verstehen zu können. Das heißt aber noch lange nicht, dass man am Ende auch alles richtig verstanden hat. So einfach macht es die Autorin uns wirklich nicht. Das Buch kam uns so komplex rüber, dass wir bis zum Schluss nicht mal genau sagen können, was wir da eigentlich gerade zu Ende gelesen hatten. Und wir haben schon allerhand Komplexes in Büchern durchlebt.


„Keinmärchen“ ist in der Tat „Kein-Märchen“, sondern ein ganz erschreckend tiefer Einblick in die verschrobene Psyche eines Menschen. Vermuten wir jedenfalls.
Oder doch eher in die eines Fantasy-Wesen?
Vielleicht hat die Autorin aber nur versucht, unsere Gedanken so schnell wie möglich mit den verrücktesten Vermutungen Seite für Seite zu füttern, um uns am Ende dem Schwarzen Mann zum Fraß vorzuwerfen? Unsere heißeste Vermutung: Die Autorin steckt mit dem Konstrukteur unter einer Decke und will uns einfach mit Bachschnecken-Amoran in den Wahnsinn treiben. Vergesst also, was euch Prrritunia in den Werbeunterbrechungen andrehen will: Das gehört alles zu dem „WahnsinnigmachenmitWerbeunterbrechungenundBachschnecken-Amoran“-Plan. Dennoch wollen wir uns da zu eurer und auch unserer eigene Sicherheit nicht genau festlegen.


*Kurze Werbepause um mit den Zu-Lesern Kontakt aufzunehmen*

Sitzt eure Augenbinde auch ordentlich genug?!
Schaut bitte nach, ehe ihr weiterlest. Und legt das Holz weg. Schon wieder.
Sofort!
Wir danken für eure Aufmerksamkeit. Weiter geht’s im Programm.


Der altbekannte Mainstream fährt auf keinen Schienen durch die Traumländer im Buch hindurch und der ganz normale Alltag scheint ewig gefangen in Steinen oder Holstücken zu sein. Nichts ist so wie es scheint und doch entdeckt man zwischen den Zeilen immer mal wieder Hinweise, wo genau uns die Autorin hinführen will und wir eigentlich drin stecken. Diese sind aber sehr subtil gehalten und wenn man nicht aufpasst, hat man sie verpasst.
Und glaubt uns: Dieser Ort, in dem sich der Leser befindet, ist kein Urlaubsort.


Simone Keil überraschte uns wirklich mit ihrer Geschichte und ihrem für uns unvergleichbaren Schreibstil. Er ist anfangs gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich erst einmal dafür öffnet, gewöhnt man sich sehr schnell daran.
Sie beschreibt Situationen, die aus „normal“ menschlicher Sicht zunächst wenig Sinn ergeben, bis aber diese Handlungen, auf die späteren Geschehnisse treffen und dann endlich zu einem Gesamtbild werden, sodass uns die Zustände dann immer leichter verständlich werden, bis wir zum Schluss allerdings das Gefühl verspürten, dass manche Ereignisse viel zu unmöglich erscheinen, um als echte Hirngespinste bezeichnet zu werden.
Denn wie echt kann ein Einblick in den Kopf eines Menschen mit einer oder mehreren Psychosen denn sein?
Kann man das einfach so festlegen?
Ist es bei jedem gleich?
Dinge sind wie sie sind, aber eine Psychose kann niemals so sein, wie man es sich als normaler Mensch vorstellt. Wir wissen nicht, inwiefern die Autorin sich da vorher informiert hat, aber das ganze wirkte auf uns doch recht glaub- und wahnhaft, dass wir erschreckenden Respekt vor dieser gesamten Ausarbeitung der Geschichte bekommen haben.


Aus rein objektiver Sicht ist die Geschichte wirklich ein paranoid gut gelungenes Werk, das an der gesunden Psyche eines Menschen kratzt, bis es hineingelassen und verstanden wird. Am Ende der Geschichte angekommen, ahnt man, was man gelesen hat, ohne es aber wirklich zu wissen. Wir waren beeindruckt von dem Voranbringen der einzelnen roten Fäden ohne selbst den Faden verloren zu haben.
Die scheinbar einfache Verknüpfung von mehreren, so unterschiedlichen Handlungssträngen wurden zu einem großen Ganzen. Rein objektiv betrachtet kann man als Leser davor nur sein Haupt neigen und ehrfürchtig auf die Knie sinken.
Man bekommt keine Chance, sich gegen den Kern der Geschichte zu wehren, denn schon nach den ersten Seiten ist der Leser mit den Gedanken des Buches eins und rätselt sich sämtliche Gehirnzellen ab.
Die Idee, die Auffassung und einzelnen Einblicke in die verschiedenen Ecken einer Psychose sind unserer Meinung nach großartig gelungen. Simone Keil hat uns damit wirklich verblüfft, denn es war so gar nicht das, was wir auf den ersten Blick erwartet hätten. Aber sind nicht genau solche Geschichten diejenigen, die besonders lesenswert sind?


Aber aus rein persönlicher Sicht, die mit unserem Lesegeschmack und Vorlieben verbunden ist, war es doch recht schwer, mit all dem zurecht zu kommen. Es fehlte einfach immer etwas, obwohl man ja irgendwie ganz genau weiß, dass eine Psychose ihren ganz eigenen Sinn hat, dass der Mensch, der unter so einer Psychose leidet, seine Welt ganz anders wahr nimmt.
Er baut Dinge aus dem normalen Umfeld in seine Psychose ein und uns als Lesern war es irgendwann nicht mehr möglich, Realität und Psychose zu trennen.
Es war schwer, hinter den vielen verschiedenen Handlungen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, das große Ganze zu erkennen. Dachte man als Leser, jetzt ist man dem Kern auf der Spur, dann lotste uns die Autorin wieder in eine vollkommen andere Richtung. Wir waren gefesselt und konnten nicht aufhören zu lesen, denn die Geschichte hatte uns gefangen. Irgendwie. Dennoch war es ein Erlebnis, dass wir ungern wiederholen möchten.
Die einzelnen Szenen waren wirr und ergaben manchmal kaum einen Sinn. Auch wenn es sich immer stärker zusammenfügen wollte, so war unser Verstand doch immer skeptisch und verlangte hier und da einfach Entwirrung und mehr Ordnung. Aber wenn wir dann wieder in die rein objektive Sichtweise zurückkehren, ergibt es wenig Sinn, wenn im Kopf eines Menschen der an einer Psychose leidet, Ordnung herrscht. ^^

Jaja, die Autorin wird es mit unserer Rezension nicht leicht haben, aber das beweist auch, dass ihre Geschichte interessante Diskussionen bei uns hervorgerufen hat. Wir könnten hier nun die ganze Geschichte komplett darlegen, euch die Handlungsstränge entwirren und mehrere Figuren psychologisch begutachten, aber … nein, im Grunde können wir das eben nicht. Denn Simone Keil schlägt so viele Haken und Brücken, zurück und wieder vor und noch mal im Kreis, dass wir nicht denken, dass hier für euch aufknoten zu können ohne eure Gehirne in endlose Strudel von bunten Durcheinanders zu stürzen.
Und, habt ihr nach dem Lesen dieser andersartigen Rezension eine genaue Vorstellung, was euch im Buch erwarten könnte? Nein? Gut! Wir müssen uns schließlich dem Buch ein wenig anpassen und es euch so „lebhaft“ wie nur möglich vorstellen. ^^




Eigentlich nur eine Sache, bei dem sich alle Sichtweisen einig geworden sind: Wir haben letztens erst einen Preis für die skurrilste Geschichte vergeben und können diesen ohne Bedenken an „Keinmärchen“ weiterreichen. Wer sich weit, weit entfernt von Mainstream entlanglesen möchte, ist hier genau richtig. „Keinmärchen“ strengt die grauen Zellen an, lässt den Verstand auf Hochtouren laufen und am Ende … rauchen die Ohren.^^ Oder der interessierte Leser bekommt eine Geschichte, die einen Einblick in den Verstand eines Menschen wirft, der unter einer oder mehreren Psychosen leidet. Einen Einblick, denn man so nie bekommt. Und allein deswegen ist diese Geschichte wirklich einzigartig. Rein objektiv betrachtet. Mit Augenbinde.



Hier tun wir uns wirklich schwer, denn unsere rein objektive Sichtweise würde dem ganzen glatte 5 Marken geben. Aber unsere persönliche Sichtweise protestiert stark dagegen, sodass wir uns am Ende für eine 4 Marken Bewertung entschieden haben. Wir bewerten hier also diesmal größtenteils nach unserem „persönlichen Geschmack“ und bemängeln keinesfalls die Qualität an sich, denn diese ist perfekt.


Es grüßt wie immer







Zusatz:
Ein herzliches Dank für das Korrigieren dieser Qindie - Rezension an:


(Das Copyright von Text & Bildmaterialien liegt bei den jeweiligen Verlagen und deren Autoren, die allesamt bei uns im Impressum erwähnt worden sind.)
2 mal erwischt
  1. eine sehr interessante Rezension! "Keinmärchen" habe ich auch noch als eBook, das muss ich bei Gelegenheit wirklich mal lesen

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    Antworten
    1. Hallo Camille,

      "Keinmärchen" ist wirklich lesenwert und wir können es dir nur empfehlen! Die Lektüre ist zwar anders, aber interessant!
      Viel Spaß beim Lesen

      LG
      ~Tilly

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