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16. Juli 2013

"Pandämonium" von Alexander Odin / Rezension






Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3404167418



Alexander Odin, geb. 1970, studierte Kommunikationswissenschaften in München und lebt in Berlin. Er arbeitet als Creative Producer und Dramaturg für nationale und internationale TV-Projekte. Als Autor hat er Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht und schreibt Drehbücher für Film und Fernsehen. "Pandämonium" ist sein erster Spannungsroman außerhalb des Jugendbuchbereichs.

 

 Ein gefährliches Virus breitet sich in Berlin aus, das die Menschen grausam verändert. In einem Plattenbau, der unter Quarantäne gestellt wird, bangen die sechzehnjährige Naomi und eine kleine Gruppe von Nachbarn um ihr Leben. Als ihnen die Flucht gelingt, landen sie in Berlin Mitte, das mittlerweile von Stacheldraht umzäunt und zur Seuchenzone erklärt wurde. Noch ahnt keiner, dass Berlin erst der Anfang ist - und dass hinter dem Todesfieber ein globales Netzwerk steckt, das nur ein Ziel hat: Die Menschheit soll sich selbst zerstören ...

 

Das Cover ist dunkel und sehr düster. Aber genau deswegen spiegelt es eindrucksvoll den Inhalt und die Grundstimmung des Buches wieder. Außerdem wird man auf den ersten Blick darauf hingewiesen, dass diese Geschichte in Deutschland spielt. Es ist selten, dass es solche ortsbezogenen Cover gibt, deswegen finde ich es um so besser.


Naomi ist ein sechzehnjähriges Mädchen, das durch den Tod des Vaters eine Psyche entwickelt. Sie bekommt Panikattacken, wenn Menschen in ihrer Nähe sind. Deswegen zieht sie sich von ihrer Umgebung und der Außenwelt immer mehr zurück. Sie verbringt die Tage in ihrem Zimmer und schaut mit einem Fernglas nach den Nachbarn. Jede einzelne Bewegung der vielen Menschen in dem Berliner Plattenbau hat sie minutiös aufgeschrieben. Jede kleinste Abweichung macht ihr Angst, denn das Beobachten der Menschen ist für Naomi der einzige Kontakt zur Umwelt. Deswegen fällt ihr auch als Erstes auf, das ihre Nachbarin nicht wie gewohnt vom Einkaufen kommt. Dennoch hört sie Geräusche aus der Wohnung, gleich auf der anderen Seite ihrer Zimmerwand. Naomi beobachtet mit Verwunderung, dass der komplette Plattenbau mit schweren Betonmauern und Zäunen abgeriegelt wird. Niemand sagt den noch im Haus befindlichen Menschen, was los ist und was nun geschieht. Naomi, ein älterer Nachbar der das Böse sieht und ein Kleinkrimineller müssen sich nun gegen viele Menschen, die anscheinend mit irgendetwas infiziert sind, zur Wehr setzen.
Irgendwann wird es still im Haus. Und auch davor ist niemand mehr zu sehen. Die Überlebenden beschließen, das Gebäude zu verlassen. Draußen treffen sie auf ein spätherbstliches Berlin und viele Tote, die sie umbringen wollen.


Alexander Odin schafft einen postapokalyptischen Roman, der auf eine erschreckende Weise fast schon zu Real wirkt. Er spielt mitten in Berlin, unserer Hauptstadt und jeder hat schon mindestens einmal von einem der Schauplätze gehört, wenn man nicht sogar selbst da gewesen ist. Was in meinen Augen das Kopfkino beim Lesen noch mehr anheizt. Das Bekannte gepaart mit dem Unbekannten, Unvorstellbaren. Das ist der erste und wahrscheinlich auch größte Pluspunkt: dass die Geschichte in Deutschland, Berlin spielt.

„… Sie war erstaunt über den Menschenandrang, der inzwischen in dem großen Shoppingcenter am Alexanderplatz herrschte. …“

Die Figuren sind Leute wie du und ich. Allerweltsgesichter, unscheinbar und im Grunde nichts besonders. Und genau das, macht sie so glaubwürdig. Das ist der zweite Pluspunkt. Die Normalität, welche die einzelnen, handelnden Personen ausstrahlen. Als Leser kann man sich in fast jeden der Protagonisten hineinversetzen. Meistens nimmt man ihnen ohne Zweifel ihr Handeln in den gegebenen Situationen ab und bewundert deren Mut.
Der arbeitslose Trinker, der verkorkste Rentner und der liebestolle Teenager, neben den alltäglichen Problemen unserer Gesellschaft. Eine gescheiterte Ehe, finanzielle Probleme und Feinde, die man sich in der Dauer seines Daseins zugelegt hat.

„… Außerdem zerriss er die Briefe von der Arbeitsagentur nicht mehr sofort, ohne sie gelesen zu haben, sondern studierte sie. Er bewarb sich sogar – zumindest für eine Weile – auf vorgeschlagene Stellenangebote. …“

Allerdings hat der Autor mit der Normalität und fast schon übertrieben. Naomi, die weibliche Hauptprotagonistin, wirkt so entrückt von der Welt,  dass es in vielen Situationen so erscheint, als wäre ihr im Grunde eigentlich alles egal. Die Welt geht vor die Hunde, und sie beschützt ihr Buch mit den Informationen über ihre Mitmenschen. In den seltensten Fällen dringen Emotionen durch ihre harte Schale. Sie wirkt wie ein Mitläufer der Geschichte, obwohl sie eigentlich handlungsweisend ist. Gleichzeitig bewältigt sie das Trauma um den Tod ihres Vaters, gibt der Mutter die Schuld daran, das der Mann eine neue Freundin hatte und die Familie verlassen hat. Und trotzalledem reist sie in infiziertes Gebiet, um ihre Mutter zu retten. Es ist ein sehr gewagter Gefühlsspagat den der Autor uns hier präsentiert, aber in den meisten Situationen funktioniert er. Obwohl Naomi oftmals ein wenig ernüchternd wirkt, nimmt man ihr doch die typische Sechzehnjährige unserer Zeit ab und sie macht das, was von ihr in einer toten Welt verlangt wird. Sie kämpft, aber eben auf ihre Weise. Leider sind ihre Gedankengänge nicht immer nachvollziehbar. Sie macht sich Sorgen um ihre Nachbarin, erkundigt sich aber nicht nach ihr.

„… Sie wollte, dass das Schicksal – oder, wenn man nicht daran glaubte, eben der reine Zufall – ohne ihr Eingreifen seinen ungestörten Lauf nehmen sollte. … „

Jimmy, der egoistische Drogendealer und Alleinkämpfer, ist die flachste und überflüssigste Figur in der Geschichte. Am Ende stirbt er, ohne Eindruck zu hinterlassen. Anders als bei Naomi, deren Rolle erst am Ende klar definiert ist, ist Jimmy einfach nur da. Er ballert durch die Gegend, schleppt seinen Aktenkoffer voll Drogen mit sich rum und meckert, was das Zeug hält. Er ist zwar der Aufmerksamste von der kleinen Gruppe, die sich durch Berlin schlägt, aber ich denke, das hätte man auch anders lösen können. Das Einzige, was wirklich gut an der Figur ist, er bleibt der Böse. Von Anfang an macht der Autor kein Geheimnis daraus, dass Jimmy einfach nur ein Arsch ist. Keinerlei Mitgefühl außer für sich. Und am Ende stirbt er genau in dieser Rolle, ohne vorher noch eine allumfassende gute Tat vollbracht zu haben. Alexander Odin versucht zwar, durch ein paar Geschichten von dem gewalttätigen Vater der Figur Tiefe zu verleihen, aber das wirkt eher gezwungen und verschlechtert im Grunde nur das Gesamtbild.

„ … Jimmy hatte keine Lust, dem armen Alkoholiker eine zu verpassen, damit der sich von der Stelle bewegte; aber ihm war auch bewusst, dass er wahrscheinlich keine andere Wahl hatte, wenn der Kerl sich querstellte. »Beweg deinen Arsch weg«, knurrte er ihn an. … „

Herr Witter, der Rentner mit dem Gehirntumor und ohne Gefühle für seine Frau oder sonst wen, sieht Wolken über den Menschen. Seine Rolle in der Geschichte ist verwirrend, aber dennoch klar strukturiert. Er gibt dem Bösen, das für die Wandlung in Untote sorgt ein Gesicht, beschreibt es und verleiht dem ganzen einen seltsamen Schrecken, denn außer ihm sieht niemand sonst, das Böse oder den Virus der sich in den Menschen festsetzt und sie von Grund auf ändert. Diese Figur wächst über sich hinaus und merkt am Ende, das es noch mehr gibt, als nur Arbeit und Tod.

„… Ein Gedanke, den er immer verdrängt hatte, traf ihn jetzt mit voller Wucht, und ihm wurde ganz anders. Die Wolken mochten verschwunden sein, aber er hatte weiterhin Gefühle. Ganz eindeutig. …„

Naomis Mutter und ihr verliebter Freund Rafael laufen eigentlich nur so am Rande mit. Was Rafael für eine Rolle spielt, wird bis zum Ende hin eigentlich nicht klar. Naomi findet zwar ihre Gefühle für ihn, aber die Geschichte wäre auch ohne verliebte Teenager ausgekommen.
Die Mutter ist verbittert und funktioniert nur noch, bis zu dem Zeitpunkt, als sie von ihrer Tochter gerettet wird. Und das, obwohl sie infiziert ist. Sie weiß, dass sie sterben wird, und ist ihrer Tochter dennoch eine große Stütze. Das Mutter-Tochter-Verhältnis ist gespannt und sehr gut dargestellt.

Die Untoten, oder „Infizierten“ wie der Autor sie nennt, geben ein völlig neues Bild der Zombies ab. Sie sterben nicht direkt, werden nicht gebissen oder Ähnliches, sondern handeln sich einen Virus ein, der sie verwandelt. Sie sind aggressiv, nutzen Waffen zum töten und erscheinen, als würden sie trotz allem noch auf irgendeine auf Instinkt begründete Art, denken. Natürlich fehlen nicht die typischen Merkmale, wie die Körperhaltung oder das Fressen der Menschen. Und das beste, es wird nicht ein einziges Mal das Wort Zombies erwähnt, aber dennoch weiß der Leser, mit was er es zu tun hat.

„Pandämonium“ beginnt am Anfang schon recht brutal, was aber durchaus Genretypisch ist. Die Abgeklärtheit, mit welcher die erste Szene aus Sicht der Figur geschrieben ist, macht es nur noch schlimmer.

„… Heiser flüsterte er noch: »Schatz, verzeih mir … Ich werde dich immer lieben.«
Dann riss er die Machete aus dem Holster, holte aus und schlug ihr den Kopf ab. …“

Würde dieser Stil beibehalten werden, wäre diese Geschichte der neue Zombie-Roman schlechthin und würde mit vielen neuen Ideen und einer Menge Potenzial um das Thema der wandelnden Leichen aufwarten. So webt der Autor aber alsbald eine zunehmend unglaubwürdige Vorbereitung zum Auflösen der Vorfälle ein, die den Leser mehr als Zweifeln lassen. Recht schnell ist klar, worauf es am Ende hinausläuft und das Potenzial des Anfangs ist verschenkt. Böse Gedanken, die sich in einem sozialen Netzwerk bündeln und dadurch für „Gerechtigkeit“ sorgen, in dem andere Mitglieder einen tödlichen Virus auf die Welt loslassen. Das alles wird genährt durch Hass. Sobald man anfängt zu hassen, findet einen das Netzwerk von alleine. Wenn diese Erklärung vielleicht anders ausgearbeitet und verwickelt gewesen wäre, hätte der Autor auf eine wirklich sehr subtile Art auf die Gefahren in sozialen Netzwerken hinweisen können. So aber wirkt es eher krampfhaft und einfach nur unglaubwürdig.
Zu Beginn befindet man sich ein einem vielversprechenden postapokalyptischen Endzeit-Thriller, und wenn der Autor seine Geschichte auf die beklemmende Stimmung des abgeriegelten Plattenbaus und des toten Berlins beschränkt hätte, wäre es auch ohne Probleme bis zum Ende hin dabei geblieben. Sobald man aber die recht fade und in meinen Augen unglaubwürdigste Erklärung für ein Todesvirus vorgesetzt bekommt, verliert der Roman jeden Schrecken.
Das Ende ist vorhersehbar und mir leider auch zu undurchsichtig. Es fehlt die endgültige Auflösung der in der Geschichte verknüpften Fäden, was ich mir nur damit erklären kann, dass der Autor eine Fortsetzung plant.


Schreibtechnisch kann der Autor sich wirklich mit anderen genretypischen Romanen messen. Das Grauen durch einen Virus kommt in vielen Szenen hervorragend rüber. Obwohl in meinen Augen hier, und da einige Defizite sind, die wahrscheinlich nicht hätten sein müssen, finde ich „Pandämonium“ als Endzeit-Roman ansprechend. Es gibt einige Ansätze über, die sich das Nachdenken lohnt, die inhaltliche Struktur ist stimmig und logisch nachzuvollziehen.
Dass die aufklärende Lösung unglaubwürdig ist, ist wirklich schade, tut aber dem neuen Bild der wandelnden Virusschleudern keinen Abbruch.
Wer also nichts gegen eine sehr eigene Erklärung in Bezug auf Zombies hat, ist mit diesem Buch bestens bedient. Hat man jedoch höhere Ansprüche an einen postapokalyptischen Zombieroman, sollte man sich das Lesen dieser Geschichte gut überlegen.

 




Liebe Grüße und Vorsicht bei sozialen Netzwerken!
 Eure





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